Verkehrskonzept steckt im Stau

DIESSENHOFEN. Der Stadtrat von Diessenhofen hat ein neues Verkehrskonzept für die Altstadt in die Vernehmlassung geschickt. Es gab viele Rückmeldungen. Die Detaillistenvereinigung erwirkte eine Fristverlängerung bis Ende Mai – die gilt aber nur für sie selbst.

Gudrun Enders
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DIESSENHOFEN. Ein Sturm der Begeisterung toste bisher nicht durch Diessenhofen. Kritik dagegen gab es schon. Das von einer Kommission erarbeitete Verkehrskonzept für die Altstadt wird zurzeit intensiv im Städtchen diskutiert. Bis Ende April durfte sich jeder dazu äussern.

Nachteile für den Standort

Es seien höchstens 20 Stellungnahmen von Bürgern eingetroffen, sagt Stadtammann Walter Sommer. Hinzu kommen die üblichen Verdächtigen wie Parteien und Verbände, die sich ebenfalls ihre Gedanken zu den möglichen neuen Veränderungen machten. Zu dieser Gruppe gehören die Diessenhofer Detaillisten. «So gut wie alle vorgeschlagenen Massnahmen schwächen den Standort», sagt Präsident Thomas Eisele. «Vor sieben Jahren wurde erst ein neues Verkehrskonzept umgesetzt. Es hat sich bewährt.» Seitdem dürfen keine Lastwagen mehr durch die Altstadt rumpeln, und alle anderen müssen sich an Tempo 30 halten. Zudem wurde die Brücken-Tonnage begrenzt.

Alle Massnahmen des neuen Konzeptes wie Tempo 20 in der Altstadt und in der Grabenstrasse, bewirtschaftete Parkplätze oder eine neue Verkehrsführung am Sternenplatz wecken die Angst, dass Diessenhofens Zentrum bald autofrei werden soll. «Kostenlose Parkplätze in der Altstadt sind aber ein wesentlicher Standortvorteil für die Geschäfte dort», sagt Detaillisten-Präsident Eisele.

Einzig für die Ampel oberhalb der Brücke könnten sich die Detaillisten laut Eisele erwärmen – «wenn sie intelligent installiert wird». Denn ein Problem ist der Grenzverkehr. Die Grenzgänger fahren über die Brücke in die Schweiz, die Einkaufstouristen fahren heraus. Dabei erweist sich die einspurige alte Holzbrücke als Nadelöhr, wo es sich zu Stosszeiten staut. Nur zu diesem Zeitpunkt könnte eine Ampel etwas Abhilfe schaffen, finden die Detaillisten.

Gilt nur für Gesuchsteller

Die Detaillisten hatten bis Ende April nicht genug Zeit, um die Meinung aller Mitglieder einzuholen. Deshalb ersuchten sie um eine Fristverlängerung bis Ende Mai. «Die hat der Stadtrat gewährt», sagt Stadtammann Sommer. Der Jurist beugt Missverständnissen vor: «Die Fristerstreckung gilt nur für die Detaillisten Vereinigung, die das schriftlich beantragt hat.» Das erstaunt Präsident Eisele: «Das war so nicht gedacht. Wir wollten, dass die Fristerstreckung allgemein gilt.» Ist die Vernehmlassung abgeschlossen, lädt der Stadtrat zum runden Tisch. Durch die Fristverlängerung ist unklar, ob der noch im Juni zustande kommt. «Wenn nicht, setzen wir uns im August nach den Sommerferien zusammen», sagt Sommer. Bis dahin will der Stadtrat nichts unternehmen. Nicht einmal den angekündigten Versuchsbetrieb der Ampel? «Keinesfalls», sagt Sommer. Denn auch die Ampel erfreut nicht alle. Die SVP Diessenhofen etwa lehnt diese Idee ab – wie das ganze Verkehrskonzept. Präsident Walter Widmer sagt: «Wir fühlen uns dabei von vielen Diessenhofern bestätigt.»

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