Verkehr in alten Bahnen

Das von einer Kommission erarbeitete neue Verkehrskonzept für die Diessenhofer Altstadt findet keinen Anklang. Deshalb hat der Stadtrat das Programm komplett abgelehnt.

Gudrun Enders
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Ein Blick zu einer ruhigen Stunde durch den Siegelturm in die Altstadt von Diessenhofen. (Bild: pd)

Ein Blick zu einer ruhigen Stunde durch den Siegelturm in die Altstadt von Diessenhofen. (Bild: pd)

DIESSENHOFEN. Am Dienstag sind die Würfel gefallen. Der Stadtrat Diessenhofen tagte und befasste sich dabei auch mit dem neuen Verkehrskonzept. Das Ergebnis aus der Vernehmlassung lag vor. Es waren laut Stadtpräsident Walter Sommer 28 Stellungnahmen Privater sowie die Positionen der vier politischen Parteien und dreier Interessengruppen eingegangen. Der Stadtrat wollte mit der Vernehmlassung den Puls fühlen. Die Antwort fiel deutlich aus: Drei Parteien und zwei Interessengruppen sprachen sich gegen die Neuerungen aus, ebenso die Mehrzahl der anderen Stellungnahmen.

Die Zeit ist nicht reif dafür

«Es ist nicht klug gegen einen Grossteil der Bevölkerung zu politisieren», sagt Sommer. Entsprechend hat der Stadtrat entschieden und teilt mit: «Politisch gewertet ist die Zeit für eine Veränderung nicht reif.» Auch der geplante runde Tisch kommt somit nicht. Angesichts der Haltung des Stadtrates mit eindeutigem Ergebnis werde darauf verzichtet.

Der Stadtrat erachtet es als pragmatisch, die bestehenden Regelungen beizubehalten. Sie haben sich bewährt. Ihnen liegt auch ein Beschluss der Gemeindeversammlung zugrunde. Den erst vor gut sechs Jahren ausgedrückten Willen des Souveräns gelte es zu beachten, schreibt der Stadtrat. Anpassungen des Verkehrskonzepts wären konsequenterweise der Gemeindeversammlung erneut vorzulegen. Auch einzelne Konzeptpunkte hat der Stadtrat verworfen: Die vorgeschlagene Begegnungszone in der Altstadt würde zu keiner Verbessrung führen. Desgleichen bewährt sich dort die bereits viel früher angeordnete blaue Zone mit zeitlich eingegrenzten, kostenlosen Parkplätzen. Eine Verkehrsverlagerung auf die Bahnhofstrasse werde in der Vernehmlassung deutlich abgelehnt und biete dem Stadtrat deshalb keine Basis, dieser Empfehlung zu folgen.

Ampel nicht mal versuchsweise

Auch Parkkarten für Angestellte werden keine eingeführt, da für Mitarbeiter von Betrieben auf der Viehwiese und dem Parkplatz bei der Rhy-Halle genügend Parkplätze in zumutbarer Entfernung zur Verfügung stehen. Die Vignettenpflicht für Dauerparkierer hat sich vor Jahren nicht bewährt und wurde durch das jetzige System ersetzt.

Auf die versuchsweise Installation einer Ampel für den Brückenübergang verzichtet der Stadtrat ebenfalls. Tendenziell verringert eine Ampel die Unsicherheit bezüglich des Vortritts und würde deshalb den Übergang noch beliebter machen. Gestern erfuhr unter anderem die Diessenhofer Detaillisten-Vereinigung vom Entscheid des Stadtrats. «Wir freuen uns, dass der Stadtrat das Konzept so eindeutig abgelehnt hat und auf die Bedürfnisse der Detaillisten eingegangen ist», sagt Präsident Thomas Eisele. «Wir sind rundum zufrieden.»