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VERHANDLUNG: Pferdestallbetreiber gibt Urkundenfälschung zu

Im Betrugsprozess gegen einen ehemaligen Luzerner Kantonspolitiker, der heute im Thurgau lebt, anerkannte der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Tatbestände und die allermeisten der geschuldeten Summen.

Um bei Gläubigern Kredit zu erhalten, hat ein hoch verschuldeter Pferdestallbetreiber aus dem Thurgau Dokumente gefälscht. Der Mann gab am Dienstag vor Gericht in Bern zu, den Briefkopf der Luzerner Gemeinde Luthern für seine eigenen Zwecke missbraucht zu haben. Den Briefkopf applizierte der angeklagte Reitstallbetreiber auf ein Papier. In einer Papeterie in der Ostschweiz liess er einen von ihm verfassten Text auf das Papier schreiben, wonach er eine Millionen-Erbschaft in Aussicht habe. Mit dem gezinkten Brief sprach er bei zahlreichen Bekannten vor, um von ihnen einen Kredit zu bekommen. Er stecke gerade in ­finanziellen Nöten, habe aber die Erbschaft und Einkünfte aus einer Kiesgrube in Aussicht, die eine baldige Rückzahlung ermöglichten.

Seine Opfer zweifelten weder das Schreiben noch die Integrität des wortgewandten ehemaligen Luzerner Kantonsrats an. Auch die hohen Zinsen, die der Angeklagte teilweise versprach, blieben unhinterfragt. Bei einzelnen Geldgebern steht der Mann mit mehreren hunderttausend Franken in der Kreide, bei anderen mit mehreren zehntausend. Insgesamt häufte er einen Schuldenberg von über anderthalb Millionen Franken auf.

Zu den Opfern, vornehmlich aus den Kantonen Luzern, Thurgau, Solothurn und Bern, gehören zahlreiche Kleingewerbler, aber auch Leute aus der Reiterszene oder Personen, die der Angeklagte aus seiner Zeit in der Luzerner Kantonspolitik kannte, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Schliesslich wurde der säumige Schuldner angezeigt und steht diese Woche vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern. Er könne nicht viel zu den Schulden sagen, wand er sich am Dienstag bei der Befragung durch das Gericht. «Klar ist das nicht gut», räumte er ein.

Vor Gericht duckt sich der Angeklagte

Statt klarer Aussagen erhielt das bernische Wirtschaftsstrafgericht vom Angeklagten oft abschweifende und ausweichende Antworten. Die Gerichtspräsidentin musste dem stattlichen Mittfünfziger auf der Anklagebank bisweilen richtiggehend die Würmer aus der Nase ziehen. Der Mann gab an, die Kredite für den Reitstallbetrieb benötigt zu haben – und um immer wieder finanzielle Löcher zu stopfen, wie sich herausstellte. In einem Fall hatte der Angeschuldigte einem Gläubiger als Sicherheit für ein Darlehen von über 20000 Franken einen neuen Pferdeanhänger verpfändet. Wofür er denn das Geld für einen neuen Anhänger gehabt habe, wollte das Gericht wissen. Nach einigem Drucksen räumte der Reitstallbetreiber ein, dass der Anhänger mit ebenfalls geliehenem und nicht zurückbezahltem Geld finanziert war. Letztlich anerkannte der Mann die ihm vorgeworfenen Tatbestände und die allermeisten der geschuldeten Summen. Neben gewerbsmässigem Betrug und Urkundenfälschung sowie Entzug von Pfandsachen werden dem Mann auch Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz vorgeworfen. So soll er trotz Fahrausweisentzugs auf unbestimmte Zeit Auto gefahren sein. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass er offenbar ein Alkohol- und Geldspielproblem hat.

Der Angeklagte ist vorbestraft, unter anderem wegen betrügerischen Konkurses. Das Urteil des Wirtschaftsstrafgerichts wird für Freitag erwartet. Der gebürtige Luzerner war an mehreren Orten in der Schweiz als Reitstallbetreiber tätig, zuletzt im thurgauischen Mattwil. (sda)

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