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VERHANDLUNG: «Er hätte Schauspieler werden sollen»

Im Betrugsprozess gegen einen ehemaligen Luzerner Grossrat, der heute im Thurgau lebt, haben gestern die Opfer ausgesagt. Zudem wurde bekannt, dass der Angeklagte bereits mehrfach vorbestraft ist.
Dominik Weingartner

Dominik Weingartner

thurgau@thurgauerzeitung.ch

29 Geschädigte, eine Deliktsumme von mehr als 1,5 Millionen Franken: Die Anklageschrift gegen einen ehemaligen Luzerner CVP-Kantonsparlamentarier spricht eine deutliche Sprache. Dem Mann, der mittlerweile im Thurgau lebt und in Mattwil bis Juni einen Reithof betrieben hat, werden unter anderem gewerbsmässiger Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. Gestern begann der Prozess vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht.

Die Masche war stets die gleiche

Zum Prozessauftakt standen die mutmasslichen Opfer des 53-jährigen gelernten Bauern aus dem Luzerner Hinterland im Fokus. Zwischen 2011 und 2016 soll der Angeklagte diese um viel Geld erleichtert haben. Die Masche war stets die gleiche. Der mutmassliche Betrüger behauptete jeweils, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken und kurzfristig Geld zu benötigen. Dabei soll er versprochen haben, das Geld schnell zurückzahlen zu können, da er bald an viel Geld kommen würde. Zu diesem Zweck soll der Mann unter anderem Schreiben einer Luzerner Gemeinde gefälscht haben, die besagen, dass er aus dem Ertrag einer Kiesgrube, die auf dem Grundstück seines Vaters sei, rund 1,5 Millionen Franken erhalten werde. Vor Gericht sagten gestern mehrere Privatkläger aus. Die Geschädigten haben unterschiedliche Beziehungen zum Angeklagten. Die einen kannten ihn über seinen verstorbenen Vater, die anderen über den Reithof im Thurgau, und sogar eine Tante des Angeklagten ist unter den Privatklägern.

Sie gehört mit einer Schadenssumme von 5000 Franken zu denen, die noch glimpflich davongekommen sind. Nichtsdestotrotz bezeichnete die Dame ihren Neffen gestern vor dem Gericht als «elenden Lügner». Ein anderer Privatkläger, ein Handwerksunternehmer aus dem Kanton Luzern, beschrieb den Angeklagten als einen Mann, der den Beruf verfehlt habe. «Er hätte Schauspieler werden sollen», sagte er. Der Angeklagte habe es sehr gut verstanden, sein Anliegen so glaubwürdig darzulegen, dass man ihm geglaubt habe, dass er das Geld rasch zurückzahlen könne, lautete der Tenor unter allen befragten Privatklägern. Anklage erhoben hatte die Berner Staatsanwaltschaft gegen den Mittfünfziger. Sie urteilte: Das Schuldenmachen scheint im Leben des ausgewanderten Luzerners in den vergangenen Jahren zu einer Konstante geworden zu sein.

Alkohol- und Geldspielprobleme

Der Angeklagte selber äusserte sich gestern noch nicht zu den konkreten Vorwürfen. Er wurde aber zu seiner Person befragt. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann mehrfach vorbestraft ist, unter anderem ist er im Kanton Zürich zu einer achtmonatigen unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er betrunken Auto gefahren ist. Die Strafe hat er noch nicht angetreten. Weiter wurde bekannt, dass der Angeklagte offenbar ein Alkohol- und Geldspielproblem hat. So hat er sich selber für Schweizer Casinos sperren lassen, hat aber laut eigenen Angaben noch vor einem halben Jahr ein Casino in Bregenz besucht. Auch den Alkohol habe er inzwischen im Griff, obwohl er noch ab und zu ein Bier trinke, so der Angeklagte. Die Hoffnung auf das Geld aus der Kiesgrube hat er noch nicht aufgegeben. Er behauptet nach wie vor, es gebe einen Vertrag, der ihm das Geld zusichern würde. Doch auch gestern vor dem Gericht konnte er diesen nicht vorlegen. Auch sei im Nachlass seines Vaters kein solcher Vermögenswert erwähnt, stellte die Gerichtspräsidentin klar.

Der Prozess dauert noch bis morgen. Das Urteil wird am Freitag verkündet.

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