Verhaftung im Brandfall Raduner

Über die Ursache des Raduner-Brandes wurde bereits viel spekuliert. Nun ist Ende Oktober eine Person mit Verdacht auf Brandstiftung verhaftet worden. Noch bleiben viele Fragen offen, und die Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt.

Alessia Pagani
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Das Raduner-Areal am Horner Seeufer zwei Monate nach dem Grossbrand vom 3. August. (Bild: Michel Canonica)

Das Raduner-Areal am Horner Seeufer zwei Monate nach dem Grossbrand vom 3. August. (Bild: Michel Canonica)

HORN. Im ungelösten Fall des Grossbrandes auf dem Horner Raduner-Areal gibt es Bewegung. Gemeint ist nicht das Festessen vor zwei Wochen, als über 250 Feuerwehrangehörige, Polizisten und Sanitäter zum Dank für die anstrengenden Löscharbeiten eine Metzgete und viel Bier serviert bekamen. Nein, auf dem Brandplatz schwelt es längst nicht mehr. Umso mehr aber immer noch in der Gerüchteküche.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Frauenfeld Ende Oktober eine Person verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt. Dies bestätigt deren Mediensprecher Stefan Haffter auf Nachfrage. Es geht um den Verdacht auf Brandstiftung. Jedoch: Es ist noch nicht geklärt, ob der Brand wirklich vorsätzlich oder fahrlässig verursacht wurde. «Da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, können derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden,» sagt Haffter. In Bezug auf die inhaftierte Person – ob Mann oder Frau ist offen – gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Viele glauben an Brandstiftung

Von Beginn weg war klar, dass das Feuer in den Räumen eines eingemieteten Brockenhauses ausgebrochen war. Dessen Besitzer, Max Niederer, bezeichnete sein «Gwunderland» nach dem Brand als sein «Lebenswerk» und seine Altersvorsorge. Den erlittenen Schaden bezifferte er auf über drei Millionen Franken. Niederer wies den Vorwurf, er selber habe das Gebäude in Brand gesteckt, stets zurück: Das Brockenhaus sei nicht versichert gewesen, ein Brand bringe ihm nichts. Doch zweifelte er nie an einer Brandstiftung. Niederer sprach bereits am Tag des Feuers von einer vorsätzlichen Tat.

Am 1. Oktober informierte die Polizei, dass ein technischer Defekt ausgeschlossen werden könne. Die Frage nach der Ursache reduzierte sich somit auf eine vorsätzliche oder fahrlässige Tat. An manchen Stammtischen in der Region war die Meinung schnell gemacht: Es könne sich nur um Vorsatz handeln. Und nun die Festnahme. Diese heizt die Spekulationen zum möglichen Täter erneut an. Zumal die Vorgeschichte des Raduner-Areals genügend Zündstoff bietet.

Weg frei für Sanierung?

Mit dem Feuer wurden vollendete Tatsachen geschaffen – sprich der Abbruch von Liegenschaften wurde forciert, der jahrelang blockiert gewesen war.

Zur Erinnerung: Die Entwicklung des Geländes ist seit der Stilllegung im Jahr 1989 blockiert, weil der Boden mit Schadstoffen belastet ist. Besitzer des Grundstücks sind einerseits Reto Peterhans und andererseits Heinrich Eberhard von der Eberhard AG. Eberhard besitzt denjenigen Teil des Areals, der beim Brand stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Eberhard wollte sein Grundstück selbständig sanieren. Peterhans wehrte sich stets gegen diese Forderung und zog vor Gericht. Wegen des Rechtsstreits war die Altlastsanierung jahrelang blockiert. Peterhans verlangte, dass die Arbeiten für das gesamte Raduner-Areal geplant und durchgeführt werden. Mit dem Brandfall im Sommer hat sich die Lage für die Besitzer geändert. Eberhard will, wie er Anfang Oktober sagte, die Brandruinen rasch abbrechen und die Altlasten innert einem Jahr sanieren. Das Verwaltungsgericht und die Gemeinde bewilligten dieses Vorhaben. Doch Peterhans wehrt sich weiterhin gegen die Kostenteilung. Weder Eberhard noch sein indirekter Mieter Niederer waren gestern für eine Stellungnahme erreichbar.

Feuer brannte stundenlang

Der folgenschwere Brand war am Morgen des 3. August ausgebrochen. 200 Feuerwehrangehörige aus sechs Gemeinden kämpften stundenlang gegen das Feuer, unterstützt von drei Armeehelikoptern. Die heutigen Brandruinen erinnern daran, dass die Streitigkeiten auf dem Areal noch nicht beigelegt sind.