Verführerisches Argument

Die Diskussion um die Basisstufe hat eine bemerkenswerte Wendung genommen. Mittlerweile stehen nicht mehr pädagogische Argumente hinsichtlich der Zusammenlegung von Kindergarten und ersten Primarklassen im Vordergrund, sondern der Erhalt der Dorfschule.

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Die Diskussion um die Basisstufe hat eine bemerkenswerte Wendung genommen. Mittlerweile stehen nicht mehr pädagogische Argumente hinsichtlich der Zusammenlegung von Kindergarten und ersten Primarklassen im Vordergrund, sondern der Erhalt der Dorfschule. Das kommt daher, dass der Basisstufenversuch, an dem auch der Thurgau teilgenommen hat, keinen klaren pädagogischen Mehrwert dieses teureren Schulmodells gezeigt hat.

Vor allem für bürgerliche Kreise ist die Basisstufe nun in erster Linie Mittel zum Erhalt gefährdeter Dorfschulen. Die Integration des Kindergartens in den Schulbetrieb kann da und dort die kritische Masse generieren, damit es sich lohnt, noch eigene Klassen im Dorf zu führen.

Es ist nicht verkehrt, den Schulgemeinden die Wahlfreiheit für oder gegen die Basisstufe zu überlassen. Für den Mehrklassenunterricht in der Primarschule selber haben sie sie ja bereits. Die neue Argumentation für die Basisstufe birgt aber Gefahren. Strukturelle Probleme lassen sich nicht überall mit neuen Schulmodellen übertünchen. Gerade für Schulhäuser, die um ihr Überleben kämpfen, dürfte es anspruchsvoll sein, die personalintensivere und teurere Basisstufe gut einzuführen – zumal sie einen wesentlichen Teil der Mehrkosten selber bezahlen müssten. Schlecht umgesetzt, droht die Basisstufe aber schlimmstenfalls nicht nur keinen Mehrwert gegenüber dem traditionellen Schulmodell zu haben, sondern sogar Schaden anzurichten. Hier wird der Kanton mit klaren Vorgaben eingreifen müssen.

Christof Widmer

christof.widmer@thurgauerzeitung.ch