«Verfahren bringen uns an den Anschlag»

Der Thurgauer Heimatschutz (THS) sorgt sich nicht nur um den Erhalt wertvoller Bausubstanz, sondern auch um seine eigenen Finanzen: 2012 mussten die Hüter alter Gebäude einen Verlust von über 27 000 Franken hinnehmen. Nun sucht der Heimatschutz neue Geldquellen.

Christof Lampart
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Ueli Wepfer, neues Vorstandsmitglied des THS. (Bild: Christof Lampart)

Ueli Wepfer, neues Vorstandsmitglied des THS. (Bild: Christof Lampart)

ESCHLIKON. Dies erklärte Uwe Moor, Präsident des Thurgauer Heimatschutzes an der Jahresversammlung. Zwar verfüge der THS nach wie vor über ein Verbandsvermögen von 109 000 Franken und auch noch über einige weitere, zweckgebundene Rückstellungen, doch könne man sich nicht viele solche Jahresabschlüsse leisten, wolle man nicht den Fortbestand der Weinfelder Geschäftsstelle gefährden. «Das wäre fatal», so Moor. Zudem stagnierten die Mitgliederzahlen und die Einnahmen aus dem Schoggitalerverkauf – beides wesentliche Konstanten bei den THS-Einnahmen – seit Jahren. Früher sei es generell leichter gewesen, neue Mitglieder anzuwerben. «Da habe ich mal das Telefonbuch in die Hand genommen, ein paar Bekannte herausgesucht und sie angeschrieben, und hatte dann 20 neue Mitglieder». Heute funktioniere das nicht mehr. Komme hinzu, dass der Thurgauer Heimatschutz nicht jedes Jahr mit hohen Legaten rechnen und diese schon gar nicht budgetieren könne.

Knifflige Klagen

Viel mehr «zu schreiben» geben seit geraumer Zeit die vielen Rekurse. Was, so Moor, oft damit zusammenhänge, dass die Rechtsverfahren immer professioneller würden. «Die Investoren sind heute nicht mehr Private, sondern Leute, die sich im Baurecht sehr gut auskennen.» Diese griffen bei einem vom THS angekündigten Rekurs zur Drohung, dass sie den THS im Falle einer Verzögerung privatrechtlich verklagen wollten. Sollte der THS einen allfälligen Prozess verlieren, so sei es schnell einmal ums restliche Verbandsvermögen geschehen. «Hinzu kommt, dass uns die rechtlichen Verfahren völlig an den Anschlag bringen; wir rennen von einer Einsprache zur nächsten.»

Wepfer folgt auf Meyer

Problematisch sei auch, dass heute viele geschützte Häuser von der öffentlichen Hand an Private übergingen. So würden Schulen und kirchliche Bauten bei den Schutzplänen oft grosszügig behandelt. Dies deshalb, weil man bei der Erstellung nicht davon ausgeht, dass sie einmal verkauft werden könnten. Und doch geschehe genau dies immer häufiger. «Problemgemeinden» aus Sicht des THS sind Weinfelden, Arbon und Kreuzlingen.

Erfreulich war hingegen, dass sich an der Versammlung mit dem 48jährigen Architekten Ueli Wepfer, Neuwilen, ein neues Vorstandsmitglied finden liess; er wurde zum Nachfolger von Hans-Jürg Meyer, Dussnang, gewählt.