Verena Frick hält an Vorwürfen fest

Fraktionsausschlüsse gibt es nicht alle Tage. Im Sommer 2012 schloss die SVP Baselland den Parteilosen Urs-Peter Moos aus. Die Salezerin Verena Frick fühlt sich nach ihrem Ausschluss erleichtert.

Regula Weik
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Verena Frick nimmt im Ratssaal Platz – als fraktionslose Stimmenzählerin. (Bild: Regina Kühne)

Verena Frick nimmt im Ratssaal Platz – als fraktionslose Stimmenzählerin. (Bild: Regina Kühne)

ST. GALLEN. Sie hat nach eigenen Angaben schon einmal «ein Tänzchen» im Büro des Staatssekretärs aufgeführt. Zu einem Freudentanz im Ratssaal lässt sich sie nicht hinreissen. Doch die Freude steht Verena Frick ins Gesicht geschrieben. «Ich bin überglücklich. Ich bin nun nur noch den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet.» Und von diesen habe sie in der vergangenen Tagen Zuspruch erfahren – auch von ihr unbekannten. «Ich spüre Rückhalt.» Und, was auch für sie überraschend gewesen sei: «Viele Bürgerinnen und Bürger haben gespürt, dass etwas nicht korrekt läuft.» So wie sie.

In einem politischen Vorstoss hat Verena Frick dies angesprochen und im Gespräch vertieft. Sie habe Hinweise für das Wirken von «Sektierern» (Ausgabe vom 8. Februar). Diese unterwanderten den Kanton – angeblich. Das «angeblich» stammt nicht von Verena Frick; sie würde es durchstreichen. Sie sagt: Die von ihr erwähnten Probleme bestünden seit mehr als zehn Jahren – «doch keiner tut etwas, die Regierung nicht, die Partei nicht».

Nach der vergangenen Session habe sie vertieft zu recherchieren begonnen und sei immer tiefer vorgedrungen. Hat sie Beweise für ihre Vorwürfe und Anschuldigungen gefunden? «Es ist sehr viel Fleisch am Knochen.» Von welchen konkreten Vorfällen und Problemen spricht sie? «Das wissen Sie nicht? Informieren Sie sich.»

Klarer Entscheid

Der SVP gingen die Anschuldigungen von Verena Frick zu weit. Sie hat die Kantonsrätin gestern aus der Fraktion ausgeschlossen. «Sie hat uns fast keine andere Wahl gelassen», sagt Fraktionschef Michael Götte. Sie hätten die Situation intensiv diskutiert. Der Entscheid sei dann deutlich ausgefallen: 27 Mitglieder waren für den Ausschluss, 6 enthielten sich der Stimme, 2 waren abwesend – eine davon war Verena Frick; sie hatte sich für die Sitzung abgemeldet.

Kritik an der Fraktion

Zum Auftakt der Session trifft die Salezerin dann in der Pfalz ein. Und sie findet kein gutes Wort für die Fraktion. Sie erinnert sich an ein Zitat, das sie mal «irgendwo» gehört habe: «Wer andere klein macht, ist nie gross.» Sie habe der Fraktion immer signalisiert, dass sie mit ihr über ihren Vorstoss diskutieren werde, sobald die Antwort der Regierung vorliege. Mochte die SVP nicht so lange warten? «Die sind so hirnstarr», sagt Verena Frick.

Gleich nach dem Fraktionsausschluss hat sie denn auch der Ortspartei Sennwald ihren Parteiaustritt per Mail mitgeteilt. Der Präsident der Ortspartei mag derzeit nichts zum Thema sagen; er wolle es erst mit dem Vorstand besprechen. Für Verena Frick ist der Fall klar: «Ich bin nicht mehr SVP-Mitglied.»

«Sehr eigenwillig»

«Verena Frick ist sehr eigenwillig», sagt Michael Götte. Verträgt die SVP keine solchen Personen mit abweichender Meinung? «Verena Frick hat Persönlichkeiten und Institutionen angeschwärzt und Unterstellungen verbreitet. Eine eigene Meinung ist in unserer Partei sehr wohl erlaubt. Doch das Verhalten muss parlamentswürdig bleiben.»

Verena Frick will bei ihrer künftigen politischen Tätigkeit im Parlament vor allem eines: «Frei denken.» Und sie will weiterhin «vieles kritisch hinterfragen» – und dabei die politischen Instrumente nutzen.

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