Vereine horten Vermögen

Viele Frauenfelder Vereine verfügen über ein beträchtliches finanzielles Polster. Weil sie darauf achten, keinen Verlust zu machen, bleibt ihnen jedes Jahr etwas Geld übrig. Steuern müssen sie auch keine bezahlen.

Thomas Wunderlin
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Der Quartierverein Huben braucht wenig Geld für seine Anlässe: Funkensonntag 2012. (Archivbild: Nana do Carmo)

Der Quartierverein Huben braucht wenig Geld für seine Anlässe: Funkensonntag 2012. (Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Nicht nur die Stadt Frauenfeld steht finanziell glänzend da. Auch vielen Frauenfelder Vereinen geht es ausgezeichnet in finanzieller Hinsicht. So hat etwa der Quartierverein Huben ein Vermögen von 39 000 Franken. «Man macht jedes Jahr ein bisschen vor», sagt Präsident Peter Wanner. Den letzten grösseren Verlust verbuchte der Verein vor 15 Jahren bei einem Fest in der Festhütte. Weil die Besucher nicht in der erwarteten Zahl kamen, gab es ein Minus von 8000 Franken. Seither füllt sich die Kasse stetig. So betrugen die Einnahmen letztes Jahr 9000 Franken, die Ausgaben nur 8000 Franken.

Mitgliederbeiträge tief genug

Haupteinnahmequelle sind die Beiträge der 450 Mitglieder. Diese zu senken habe keinen Sinn, findet Wanner. 20 Franken pro Person und Jahr sei schon tief genug. Im Verein engagieren sich alle Helfer ehrenamtlich. Der Vorstand hat nur die Kompetenz, pro Jahr 1000 Franken für eigene Zwecke zu verwenden. Damit finanziert er das gemeinsame Essen nach der letzten Sitzung im Jahr; in der Regel reichen dafür 500 Franken. Die Vorstandsmitglieder darüber hinaus finanziell zu entschädigen – davon hält Wanner nichts: «Dann kommen die Leute, die möglichst viele Stunden aufschreiben wollen.» Ein teurer Grossanlass oder eine Anschaffung ist nicht in Sicht. «Irgendwann», sagt Wanner, «wird es wieder eine grössere Ausgabe geben.»

Schachklub feiert

Auch der Schachklub Frauenfeld mit seinen gut zwei Dutzend Mitgliedern verfügt über ein ansehnliches Vermögen von 9100 Franken, bei jährlichen Ausgaben von 3500 Franken. «Unser Budget ist immer etwa ausgeglichen», sagt Vereinspräsident Bruno Zülle. Für seine Jugendarbeit erhält der Verein jährlich 500 Franken vom kantonalen Schachbund und 300 Franken von der Stadt. Eine grössere Ausgabe ist nächstes Jahr geplant: Der Verein will zu seinem hundertjährigen Bestehen ein grösseres Turnier organisieren.

Manche Vereine, besonders im Sport, leiden unter permanenter Finanznot. Der Eishockeyclub beispielsweise versucht derzeit mit Hilfe eines Sponsors und zusätzlicher Spenden einen Schuldenberg von 88 000 Franken abzutragen.

Andere haben jedoch ein Eigenkapital, das ein Mehrfaches der jährlichen Ausgaben beträgt, und damit die Stadt Frauenfeld übertrifft. Ihr Eigenkapital von 50 Millionen Franken gilt als sehr hoch, obwohl es nur zwei Drittel der jährlichen Ausgaben entspricht. Der Stadtrat will das Eigenkapital erklärtermassen abbauen. Die Zielgrösse beträgt laut Stadtammann Carlo Parolari 15 Millionen Franken.

Reserve für Kampagnen

Beim Industrie- und Handelsverein der Region Frauenfeld (IHF) ist das Vermögen mit 41 000 Franken etwa doppelt so hoch wie die jährlichen Ausgaben. Laut IHF-Präsident Oliver Vietze ist das Vereinsvermögen dem Vereinszweck angemessen. Ausgaben und Einnahmen sollten in einem gesunden Verhältnis stehen. Es müsse genügend Kapital zur Verfügung stehen für unvorhergesehene, zweckgebundene Sonderprojekte wie zum Beispiel eine politische Kampagne. «Wenn man sich die absoluten Kosten für die Unterstützung einer solchen Kampagne ansieht», erklärt Vietze, «wird schnell klar, dass man mit 40 000 Franken nicht sehr weit kommt.»

Der Traum vom Tierheim

Mit rund drei Viertel Millionen Franken Vermögen dürfte der Tierschutzverein einer der wohlhabendsten Vereine der Region sein. Tierfreunde denken regelmässig an ihn, wenn sie ihren letzten Willen zu Papier bringen. So trug dem Tierschutzverein Frauenfeld letztes Jahr ein einzelnes Legat 250 000 Franken ein. «Natürlich träumt man von einem eigenen Tierheim», sagt Präsidentin Monika Frei. Dafür reiche das Geld aber nicht aus. Die Legate würden verwendet, um die Defizite zu decken, die in andern Jahren 50 000 Franken ausmachten. Der Tierschutzverein Frauenfeld hat jährliche Ausgaben von rund 200 000 Franken, vor allem für die Unterbringung von Tieren und für den Tierarzt. Rund 50 Helfer und der ganze Vorstand arbeiten ehrenamtlich. Nur Spesen werden bezahlt, etwa eine Kilometerentschädigung für Tiertransporte.

Steigt das Vermögen allzu sehr, kann ein Verein steuerpflichtig werden. Allerdings gilt das nicht für gemeinnützige Vereine wie den Tierschutz. Auch Parteien sind steuerbefreit. Interessenverbände sind hingegen in der Regel nicht steuerbefreit, wie Jakob Rütsche, Chef des kantonalen Steueramts, mitteilt. Sie profitieren jedoch oft vom Freibetrag von 5000 Franken beim Gewinn und von 100 000 Franken beim Eigenkapital. Zudem werden die statutarischen Mitgliederbeiträge an Vereine nicht zum steuerbaren Gewinn gerechnet.