Verdingkinder: Warten auf Aufarbeitung

Der Kanton will die Geschichte der Verdingkinder im Thurgau nicht selber erforschen. Das sollte von unabhängiger Seite geschehen.

Christof Widmer
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frauenfeld. Tausende von in Pflegefamilien plazierten Kindern wurden vor allem in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als billige Arbeitskräfte missbraucht – vor allem in der Landwirtschaft. Dieses dunkle Kapitel ist in der Schweiz kaum und im Thurgau gar nicht erforscht. Der Kanton soll die Geschichte der Verdingkinder aber nicht selber aufarbeiten, schreibt der Regierungsrat auf eine Einfache Anfrage von Kantonsrätin Sybille Kaufmann (SP, Frauenfeld). Sowohl staatliche als auch kommunale Stellen seien damals involviert gewesen.

Deshalb sei es besser, wenn die Geschichte der Verdingkinder im Thurgau von unabhängiger Seite ausgeleuchtet werde, schreibt der Regierungsrat. Er sei bereit, ein solches Projekt finanziell und mit Dienstleistungen des Staatsarchivs zu unterstützen. Bis jetzt gebe es aber auch von unabhängiger Seite kein Forschungsprojekt, sagt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling. Vorarbeit zur Erforschung des Schicksals der Verdingkinder hat eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds geleistet. Befragt wurden auch 16 Personen, die seinerzeit im Thurgau als Verdingkinder lebten.