Verbohrte Nerds

RESTZUCKER

David Angst
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Manches von dem, was in der Zeitung steht, erscheint nicht auf Anhieb schlüssig. Zum Beispiel, warum ein Computer-Nerd – so wird er in gewissen Medien genannt – warum ein Computer-Nerd ausgerechnet dem Amt für Archäologie über 3 Millionen Franken vererbt. Informatik und Archäologie haben ja so gut wir gar nichts miteinander zu tun.

Nun soll das Geld also verbohrt werden, um u. a. herauszufinden, wie sich das Klima im Thurgau seit der letzten Eiszeit auf die Vegetation auswirkte. Damit wird klar, woher der Ausdruck «verbohrt» kommt. Auch die Archäologen sind eben eine Art Nerds. Vielleicht war es gerade das, was den Computerfreak faszinierte.

Offensichtlich wollte er auf keinen Fall, dass mit seinem Geld etwas Nützliches gemacht würde. Zum Beispiel Bohrungen nach Erdwärme oder die Entwicklung einer neuen Bestrahlungstechnik gegen Krebs. Dass es nun dazu verwendet wird, mittels Erdbohrungen herauszufinden, ob beim Konzil zu Konstanz (1414-1418) Roggenbrot gegessen wurde, ist sicher ganz in seinem Sinn.

Wer das kapiert hat, den wird es auch nicht überraschen, dass an einem Podium über Integration jemand gesagt hat, Sport sei gut, um Deutsch zu lernen. Würde diese Erkenntnis sich im Lehrplan auswirken, wäre das Leben Tausender Sechs- bis 16-Jähriger ein besseres. Im interdisziplinären Deutschunterricht dürften sie Fussball spielen. Und würden dabei schöne deutsche Wörter lernen: «Penalty, Corner, Offside, etc.»

Und so erscheint es einem schon fast logisch, dass der HC Thurgau seit Neujahr nur noch auswärts gewinnt und zu Hause verliert. Auch das ist sicher für irgendetwas gut, was wir noch nicht begriffen haben.

David Angst

david.angst@thurgauerzeitung.ch