Velodiebstahl online melden

Im Kanton St. Gallen können Bürgerinnen und Bürger ab sofort rund um die Uhr bei Sachbeschädigungen sowie Velo- und Mofadiebstählen online Anzeige erstatten. Das soll die Polizei von administrativen Arbeiten entlasten.

David Scarano
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Im vergangenen Jahr wurden der Kantonspolizei St. Gallen 1764 Velodiebstähle gemeldet. (Bild: Fotolia)

Im vergangenen Jahr wurden der Kantonspolizei St. Gallen 1764 Velodiebstähle gemeldet. (Bild: Fotolia)

Velodiebstähle sind im Kanton St. Gallen an der Tagesordnung – im vergangenen Jahr nahm die Kantonspolizei 1764 Anzeigen entgegen; 2011 waren es 2346. Ab sofort können die Bestohlenen auf den Gang zur nächsten Polizeistation verzichten: Am Dienstag ist der erste Online-Posten der Schweiz eröffnet worden.

Bürgerinnen und Bürger der Kantone Zürich, Bern, Zug, Freiburg, Schaffhausen sowie St. Gallen können am eigenen Computer rund um die Uhr Velo- und Mofadiebstähle, Sachbeschädigungen sowie den Verlust oder die Entwendung von Kontrollschildern melden.

Ressourcen freisetzen

Der neue Online-Schalter der Polizei ist über die Internetadresse www.suisse-epolice.ch oder über den prominent plazierten Link auf der Webseite der St. Galler Kantonspolizei zu erreichen. Vor dem Ausfüllen der Anzeige macht die Polizei auf die benötigten Angaben aufmerksam: So sind bei einem Velodiebstahl etwa Rahmennummer, Typenbezeichnung oder Hausratsversicherung bereitzuhalten.

Diese Checkliste zeigt, wie aufwendig die Erfassung einer solchen Anzeige ist – und genau da soll der grosse Vorteil des elektronischen Polizeipostens liegen. «Wir erhoffen uns eine Entlastung bei den administrativen Arbeiten. Die freiwerdenden Ressourcen können wir an der Front einsetzen», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

20 Minuten für jede Anzeige

Das Zeitsparpotenzial ist gross: Gemäss den Projektverantwortlichen der «Suisse ePolice» nimmt eine Velodiebstahlanzeige rund 20 Minuten in Anspruch – bei knapp 1770 Fällen im Kanton St. Gallen wären dies theoretisch mehr als 70 Arbeitstage; in allen bisher beteiligten Kantonen über 1800.

Die online aufgegebenen Anzeigen werden an die zuständigen Korps weitergeleitet, wo gemäss Rezzoli die reguläre Fallbearbeitung beginnt. «Bürger können aber nach wie vor direkt auf den Posten kommen», sagt der Mediensprecher. Zudem gilt das Online-Angebot nur für Diebstähle, bei denen kein Hinweis auf die Täterschaft vorliegt. So klärt die Online-Polizei bereits mit der ersten Frage ab, ob Zeugen vorliegen oder Gegenstände zurückgelassen wurden. Antwortet der Bestohlene mit Ja, wird er aufgefordert, den nächsten Polizeiposten aufzusuchen.

Ausweitung möglich

Ein Online-Schalter der Polizei war im Kanton St. Gallen seit mehreren Jahren ein Thema. Bereits vor fünf Jahren machte Kantonsrat Erwin Böhi mit einer Interpellation auf die Vorteile eines solchen Angebots aufmerksam. Die Regierung stellte die Aufschaltung auf das Jahr 2012 in Aussicht. Nachdem der Kanton sich aber entschloss, gemeinsam mit anderen Kantonen das «Suisse ePolice»-Projekt einzuführen, wurde der Start um ein Jahr verschoben.

Vom neuen Online-Angebot profitieren derzeit 40 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung. Mittelfristig sollen möglichst alle Polizeikorps beim Projekt mitmachen. Ab März 2014 steigt Neuenburg ein.

Laut Rezzoli ist offen, ob das Angebot auf weitere Delikte ausgeweitet wird. «Wir müssen zuerst Erfahrungen sammeln», sagt er. Auch die Akzeptanz bei der Bevölkerung gelte es abzuwarten.

www.suisse-epolice.ch