Vandalen machen Wahlkampf

FRAUENFELD. Unbekannte haben Wahlplakate der Thurgauer SVP und ihrer Jungpartei versprayt. CVP-Kandidat Josef Gemperle beklagt zwei verschwundene Kuh-Attrappen. Die SP Thurgau meldet einen Hackerangriff auf ihre Website.

Thomas Wunderlin
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Eine blaue Kuh wirbt in Berg für Josef Gemperle. (Bild: pd)

Eine blaue Kuh wirbt in Berg für Josef Gemperle. (Bild: pd)

Meistens sind es die Gesichter, vor allem die Augen und der Mund. Darauf haben es die anonymen Sprayer abgesehen. Offensichtlich sind sie von den Kandidatengesichtern provoziert worden. Sie lachen in den sechs Wochen vor den eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober von Plakaten an Strassen des ganzen Kantons. In der Nacht auf Samstag haben Unbekannte in der Region Kreuzlingen zahlreiche Plakate und Blachen der SVP und der Jungen SVP mit schwarzer und roter Farbe besprüht, teilt Erwin Imhof, Präsident der SVP Bezirk Kreuzlingen, mit. Auch Beschimpfungen seien gesprayt worden.

Imhof vermutet, dass sich die Vandalen im Wahlprozedere auskennen, da in vielen Fällen die Listennummer gestrichen worden ist.

Linksextreme vermutet

Unter den Angriffen leidet vor allem die Junge SVP. An mindestens acht Standorten sind in den letzten Wochen mehr als 40 Plakate Opfer von «Vandalen und Chaoten» geworden, teilt der Präsident der Jungen SVP, Oliver Straub, mit. Zuerst seien Plakate in Kreuzlingen, Amlikon und Arbon drangekommen, nun seien Schmierereien in Münsterlingen und Felben dazugekommen. Als Täter vermutet Straub Linksextreme, da diverse Plakate mit «Hammer und Sichel»-Symbolen und Anarcho-Zeichen beschrieben worden seien.

Die Junge SVP verurteilt die «feigen Taten» und fordert die «anonymen Chaoten» auf, sich ans Recht zu halten: «Wer Plakate zerstört, hat keine Argumente.» Zeugen werden aufgerufen, sich bei der Jungen SVP und der Polizei zu melden. Auf Anzeige gegen Unbekannt werde vorläufig verzichtet. In den bisherigen Fällen sei das aussichtslos gewesen und «würde höchstens die staatlichen Instanzen beschäftigen». Auch andere Parteien sind Opfer von Vandalenakten geworden. In Romanshorn sind Kandidaten aller Parteien mit schwarzen Balken besprüht worden.

Verschwundene Kuh-Attrappen

In Weinfelden ist ein FC-Basel-Kleber auf dem Gesicht der CVP-Kandidatin Marlise Bänziger gelandet.

In Bichelsee-Balterswil und Schwaderloh sind zwei der achtzig blauen Kuh-Attrappen verschwunden, die für Josef Gemperle werben, meldet der CVP-Kandidat via Facebook. Dort tröstet ihn BDP-Kandidat Andreas Guhl, auch er vermisse einige seiner wenigen Plakate.

In Zihlschlacht habe die EDU ein GLP-Plakat entfernt, um ein eigenes Plakat aufzuhängen, twitterte GLP-Kandidat Ueli Fisch am 3. Oktober und kommentierte: «Ganz schlechter Polit-Stil» und «Pfui». Er habe selber in Zihlschlacht ein Plakat an einen Kandelaber in drei Metern Höhe ab Boden befestigt, versichert Fisch. Er habe bei der Gemeinde angefragt, ob das erlaubt sei. Jetzt sei das Plakat weg und an seiner Stelle hänge ein EDU-Plakat. Das sei bisher nicht zu ihm gedrungen, sagt EDU-Präsident Hans Trachsel. «Ich kann es mir fast nicht vorstellen. Es gibt genug Platz.»

Eine Blachenwerbung des Langrickenbacher SVP-Nationalrats Markus Hausammann bei Scherzingen ist verwüstet worden. (Bild: pd)

Eine Blachenwerbung des Langrickenbacher SVP-Nationalrats Markus Hausammann bei Scherzingen ist verwüstet worden. (Bild: pd)