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Urkunden und Glaskunst seit 1988

Geschenke erhalten die Freundschaft. Das gilt im Besonderen für Städtepartnerschaften. Auch wenn einen die geschenkt erhaltene Glaskunst aus Kufstein schwer an eine Urinflasche aus dem Spital erinnert – eigentlich ein liegendes Wein-Dekantiergefäss.
Mathias Frei
Die Partnerschaftsurkunde im Frauenfelder Rathaus. (Bild: Mathias Frei)

Die Partnerschaftsurkunde im Frauenfelder Rathaus. (Bild: Mathias Frei)

Geschenke erhalten die Freundschaft. Das gilt im Besonderen für Städtepartnerschaften. Auch wenn einen die geschenkt erhaltene Glaskunst aus Kufstein schwer an eine Urinflasche aus dem Spital erinnert – eigentlich ein liegendes Wein-Dekantiergefäss. Zu sehen in einer Vitrine im Sitzungszimmer «Kufstein» im Rathaus Frauenfeld. Aber es zählt ja der Akt des Schenkens. Und Partnerstädte lassen sich auch nicht einfach so auf Facebook in die «Friendslist adden».

Freunde offiziell seit 1988

Städtefreundschaften brauchen eine gemeinsame Geschichte. Frauenfeld und Kufstein haben das, inoffiziell seit 1946. Offiziell wurde heuer das 25jährige Bestehen dieser schweizerisch-österreichischen Freundschaft (SÖV) gefeiert. Und obwohl man sich ja sowieso gern hat, muss die Symbolik dazu doch auch sein, sprich: eine Partnerschaftsurkunde.

Von dieser Urkunde bestehen zwei Originale. Wo sich die zwei Dokumente befinden, war in jüngster Vergangenheit immer wieder Thema in der satirischen Wochenschau «KellerSchuran» der zwei Frauenfelder Schauspieler Markus Keller und Uwe Schuran. Hier nun also die Auflösung: Das Frauenfelder Original hängt schräg gegenüber der Urinflaschen-Vitrine in besagtem Sitzungszimmer. Böse Zungen hatten behauptet, die Urkunde liege (!) irgendwo im Turmzimmer im Rathausturm. Als ob Frauenfeld diese Freundschaft symbolisch mit Füssen treten würde.

Auch wenn sich die zwei Städte aus Zeitgründen offiziell vielleicht nicht mehr so oft besuchen täten wie früher, werde die Freundschaft nicht weniger gepflegt, sagt Frauenfelds Kulturbeauftragter Christof Stillhard. Damit auch Begegnungen der Frauenfelder und Kufsteiner Bevölkerung stattfinden können, erhalten Frauenfelder Vereine für Reisen nach Kufstein 40 Franken Reisespesen pro Mitfahrer. Gemäss Stillhard wird dieser Pro-Kopf-Beitrag jährlich etwa hundertmal ausgezahlt. Wie Frauenfelds «Mister Kufstein», Hans Brunschweiler, ehemaliger Präsidialamtchef der Stadt, bestätigt, kennt Kufstein ein ähnliches Angebot für Vereine. Brunschweiler weiss auch: Das Original in Kufstein hängt im Stadtratszimmer im Rathaus. Das Dokument im Frauenfelder-Stüberl in Eggers traditionsreichem Bräustüberl sei nur eine Kopie. Die Bräuwurst oder die faschierten Laiberl munden deswegen gewiss nicht weniger.

Hier das Stübli, dort das Stüberl

Analog zum Frauenfelder-Stüberl hing auch im Kufsteiner-Stübli in der «Linde» in Frauenfeld nie die Originalurkunde. Lange Jahre und bis 2003 war Trudi Wagner «Linden»-Wirtin. Sie war oft und gern in Kufstein. Wenn Kufsteiner Vereine in Frauenfeld waren, kehrten sie deshalb immer in der «Linde» ein – brachten jeweils ein Geschenk mit, seien es ein paar Orgelpfeifen oder alte Gewehre. So kam es zum Kufsteiner-Stübli.

Gestern Abend haben die Kaff-Kulturveranstalter die «Linde» als Konzertlokal eröffnet. Die Devotionalien aus dem Kufsteiner-Stübli, das als Fumoir dient, lagern in einem Depot der Stadt in Rosental. Der Name Kufsteiner-Stübli werde bleiben, sagt Joel Introvigne vom Kaff. Man wolle diese Tradition weiterleben und würde sich geehrt fühlen, die Partnerschaftsurkunde – auch als Kopie – in der «Linde» aufhängen zu dürfen. Einen regelmässigen Bandaustausch zwischen Frauenfeld und Kufstein kann sich Introvigne ebenfalls vorstellen. So hat diese Freundschaft bestimmt Zukunft.

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