Upgrade für ein Schnitzel

Mosttröpfli

Christian Kamm
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Schnitzel und Pommes – wer kennt sie nicht. Die Leibspeise all jener, denen ihr Cholesterin-Wert so ziemlich gestohlen bleiben kann. Und die halt nicht die Finger von dem lassen können, was ihnen so verboten gut schmeckt. Allerhöchstens zum Schniposa ausgebaut. Ein Salat für das schlechte Gewissen kann ja nicht schaden.

Alle kennen Schnipo. Wirklich? Versuchen Sie mal in einer nicht ganz unbekannten Fressbeiz in Frauenfeld ein Schnipo zu bestellen. Wenn Sie Glück haben – und mein Gegenüber hatte gestern dieses Glück – bekommen Sie ein Doppel­decker-Schnitzel mit Schinken und Käse dazwischen, gemeinhin als Cordon bleu bekannt. Wobei: Glück ist natürlich immer relativ. Wenn Sie sich ein Schnitzel gewünscht haben und nichts als ein Schnitzel oder vielleicht ein Käseverächter sind, dann werden Sie mit ihrem Schnitzel-Upgrade alias Cordon bleu natürlich nicht glücklich.

Aber einigen wir uns auf Glück. Schliesslich erhalten Sie ein Cordon bleu zum Preis eines Schnitzels. Und quasi als Dessert werden Sie noch Zeuge eines Sitznachbarn, der seine Menüwahl sofort zu bedauern beginnt: Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich auch...

Bleibt die Frage: Weshalb? Alles nur ein Versehen? Ein Missgriff in der Hektik einer Restaurantküche? Oder gibt es tatsächlich kulinarische Fachkräfte, die ein Cordon bleu nicht von einem Schnitzel unterscheiden können? Da kann wohl nur eine Gegenprobe helfen. Nächstes Mal bestelle ich dort ein Cordon bleu. Und dann schaue ich, was passiert.

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch