Unverhofftes Feriengeld

Die Spital Thurgau AG zahlt mehreren hundert Mitarbeitern nachträglich insgesamt rund 800 000 Franken Ferienzuschlag für Pikett- und Wochenenddienste aus.

Markus Schoch
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frauenfeld. Wer bei der Spital Thurgau AG regelmässig über den regulären Schichtbetrieb hinaus Pikett-, Nacht-, Samstags- und Sonntagsdienste leistet, erhält eine so genannte Inkonvenienzentschädigung, die pro Monat etwa 400 Franken ausmacht. Das Bundesgericht hat vor drei Jahren entschieden, dass solche Zuschläge ein fester Lohnbestandteil sind und sie darum auch dann ausbezahlt werden müssen, wenn ein Mitarbeiter in den Ferien ist.

Die Spital Thurgau AG hat auf das Urteil aus Lausanne schnell reagiert. Auf Beginn des Jahres 2009 wurde die Inkonvenienzentschädigung um 8,33 Prozent angehoben.

Hunderte profitieren

Die Personalverbände wollten sich aber nicht damit begnügen, nachdem ein weiterer Gerichtsentscheid aus Basel die Anwendung des Bundesgerichtsurteils auf Spitäler bestätigte. Sie forderten die Zuschüsse rückwirkend ein, und zwar für 3,5 Jahre.

In Verhandlungen haben sich Personal Thurgau, die Personalkommission und die Spital Thurgau jetzt auf 2,5 Jahre geeinigt, wie es in einer Mitteilung heisst. Für die Zeit vom Juli 2006 bis Dezember 2008 wird im Spätsommer allen in Frage kommenden Mitarbeitern der Spital Thurgau AG der Zuschlag auf sämtliche geleisteten Dienste nachbezahlt. Selbst ehemalige Angestellte können Anspruch geltend machen.

Gemäss Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, dürfen mehrere hundert Personen mit einer Gutschrift rechnen. Die Gesamtsumme werde sich auf 800 000 bis 900 000 Franken belaufen.

Besser fürs Personal

Die Lösung sei «fair und unbürokratisch», heisst es in der Mitteilung weiter. Und sie sei auch besser fürs Personal, als wenn der Anspruch auf dem Rechtsweg hätte durchgesetzt werden müssen, ist Mette Baumgartner von Personal Thurgau überzeugt. Die Rückzahlungsperiode sei jetzt zwar kürzer, dafür profitierten alle Mitarbeiter.

«Einen Anwalt mit der Sache betraut hätten nur wenige», weiss sie aus Erfahrung.

Die Spital Thurgau AG wäre finanziell wahrscheinlich besser gefahren, wenn sie es hätte darauf ankommen lassen, sagt Baumgartner. Dieser Meinung ist auch Kohler, der den Kompromiss als Entgegenkommen gegenüber dem Personal verstanden haben will. «Uns ist viel gelegen an einem guten Verhältnis mit der Belegschaft.»