UNTERSEE: Klassische Klänge im Kloster

Eigentlich sollten die Höri-Musiktage Bodensee im Chorherrenstift Öhningen erst 2018 über die Bühne gehen. Nun stehen die klassischen Konzerte bereits im August auf dem Programm, dank viel Engagement.

Ursula Junker
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Die Organisatoren der Höri-Musiktage Bodensee: Hilde von Massow und Wolfgang Wüster. (Bild: Ursula Junker)

Die Organisatoren der Höri-Musiktage Bodensee: Hilde von Massow und Wolfgang Wüster. (Bild: Ursula Junker)

Ursula Junker

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

«Wenn man das Chorherrenstift so sieht, schreit es doch nach kultureller Nutzung», davon sind Hilde von Massow und Wolfgang Wüster gleichermassen überzeugt – und deshalb auch zur Tat geschritten. Tatsächlich thront das Augustinerchorherrenstift weithin sichtbar über Öhningen, beherrscht und bereichert das Ortsbild ennet Eschenz gleichermassen. Vor einigen Jahren wurde der im Gemeindebesitz stehende östliche Teil in denkmalpflegerisch vorbildlicher Form restauriert. Damals liess sich von Massow bei Kälte und scheusslichem Wetter, wie sie erzählt, durch den Denkmalpfleger Baden-Württembergs durch die Zimmer und Säle führen.

Dabei entstand auch die Idee, dass man «damit etwas machen muss», um den ausgedehnten Besitz mit Leben zu füllen. Weil sie durch die Organisation von Hauskonzerten bereits Kontakte zu jungen Musikern pflegte und insbesondere den jungen Pianisten Leonhard Dering seit längerem kannte, lag es nahe, ihn in die aufkeimende Idee und die daraus folgenden konkreten Schritte einzubeziehen. Auf einer Autofahrt sei dann das Konzept für die Höri-Musiktage entstanden und wurde in den folgenden Wochen noch verfeinert. Im vergangenen Oktober dann stellte von Massow die Vorbereitungen Andreas Schmid vor, dem amtierenden Bürgermeister Öhningens.

Von Klassik über Chanson bis zu Jazz

Und dann ging alles sehr schnell. Was eigentlich für 2018 vorgesehen war, sollte bereits vom 10. bis 13. August 2017 stattfinden. «Da haben wir die Ärmel hochgekrempelt», berichten Wüster und von Massow im Gespräch. Zuerst gründete man einen Verein, denn so lassen sich leichter Sponsoren finden. Wie in der Schweiz sind Spenden an gemeinnützige Institutionen auch in Deutschland steuerfrei. Danach dauerte es gerade mal vier Monate, bis die nötigen 80000 Euro zusammenkamen. Zwei Schwerpunkte bestimmten das Programm, das daraufhin durch die künstlerische Leitung zusammengestellt wurde, die Verpflichtung gegenüber dem historischen Erbe und gegenüber den jungen Musikern.

Die künstlerische Leitung, zusammengesetzt aus Dirigent Eckart Manke, Konzertpianist Leonhard Dering und Sängerin Mechthild Bach, war verantwortlich für die Auswahl der Musiker des Orchesters, das eigens für die Höri-Musiktage zusammengestellt wurde. Zu den künstlerischen Aspekten kamen freilich auch profane logistische dazu, was wiederum in von Massows und Wüsters Ressort fiel. Wo all die Leute unterbringen? Dank Gastfamilien, welche Musiker bei sich aufnehmen, liess es sich in erfreulicher Weise lösen. Ein Teil der Musiker geniesst sogar Gastrecht im weitläufigen Chorherrenstift, das im Besitz des Bundeslandes steht und an die katholische Kirche untervermietet ist. Die Konzerte der Höri-Musiktage Bodensee finden, gutes Wetter vorausgesetzt, im Hof des Stiftes und bei Regen in der Kirche statt. Der Eröffnungsakt wird begleitet von Schuberts Sinfonie in h-Moll, «Die Unvollendete».

Historisches Erbe weiterleben lassen

Das Programm umfasst klassische Musik, wie es auch Raum bietet für ein Jazzkonzert «Bridges – Musik verbindet» mit aus dem Iran stammenden Flüchtlingen. Ergänzt wird es durch Chansons und mehr. Während sonst alle Konzerte in Öhningen stattfinden, widmet das Nachbardorf Wangen seiner vertriebenen jüdischen Bevölkerung ein kleines Konzert jüdischer Komponisten auf dem Platz der ehemaligen Synagoge, zu dem Buchautorin Anne Overlack die einführenden Worte spricht.

Und weil die erste Auflage der Höri-Musiktage Bodensee ihre Fortsetzung finden soll, wird sich ein Podium mit dem Thema «Wie werden wir der Verantwortung gegenüber dem historischen Erbe gerecht und wie wollen wir es nutzen?» auseinandersetzen. Im Anschluss kann sich auf eine musikalische Führung begeben, wer sowohl historische wie musikalische Eindrücke mit sich nach Hause tragen will. Bereits gut angelaufen ist der Ticketverkauf. «Wenn das so weitergeht, sind wir finanziell über den Berg», zeigen sich von Massow und Wüster zuversichtlich, auch weil die Höri-Musiktage in die Ferienzeit fallen und dann viele Touristen die Höri besuchen.

Tickets und Informationen unter: www.hoeri-musiktage.de