Unsere Hässlichkeit

Fasnacht

Sabrina Bächi
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Es fasnächtlet: dekorierte Beizen, Maskenbälle, Fasnachtsumzüge. Kostüme sind gefragt; hauptsächlich Altbekanntes. Wir wollen Superhelden sein. Als Comicfiguren die Gemüter erheitern. Tierkostüme sind praktisch, halten warm und sehen schnusig aus. Der neuste Trend: Carry-me-Kostüme. Bei denen sieht es so aus, als würde man von einem Zwerg oder Riesen huckepack durchs fasnächtliche Leben getragen.

Grundsätzlich gilt: Männer verkleiden sich gerne gruslig, bei den Frauen soll es schön sein. Selbst an der Fasnacht müssen wir Frauen gut aussehen! Ein Hexenkostüm kommt also nicht in Frage. Stimmt: Wahrscheinlich würde ein Glöckner von Notre Dame tatsächlich eher für die aparte Pocahontas bimmeln. Oder ein Superman würde lieber das hübsche Dornröschen retten. Innere Werten zählen in der alkohlgeschwängerten Stimmung der Fasnacht nicht viel. Auch geht in Vergessenheit, dass gruslige Gestalten den Winter zu vertreiben haben.

Doch: Was nützt es, schön auszusehen, wenn die inneren Beweggründe für äusserliche Schönheit gar kaum gesellschaftsfähig sind? Sollten wir nicht lieber Superhelden im Alltag sein und dafür an der Fasnacht unser zweites Gesicht zeigen? Das Hässliche? Würden wir in Verkleidung unser wahres Ich zeigen, bekäme die Fasnacht ihren althergebrachten Dreh: verkehrte Welt.

Vielleicht ist es nur einfacher, wir überlisten uns und den Winter dazu, mit einer lächerlich schönen Maskerade. Und täuschen so über die Hässlichkeit des Menschseins hinweg.

Sabrina Bächi