«Unser Ziel ist eine schwarze Null»

MÜNCHWILEN. Seit wenigen Tagen wird die Biogasanlage der konkursiten Biorender AG in Münchwilen von der Bima Energie AG betrieben. Damit beginnt ein neues Kapitel in der noch jungen Geschichte des Hinterthurgauer Pionierprojekts.

Hans Suter
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Nur der neue Schriftzug fehlt noch: Seit dem 1. November befinden sich die Gebäude und Anlagen der konkursiten Biorender AG in neuem Besitz. (Bild: Hans Suter)

Nur der neue Schriftzug fehlt noch: Seit dem 1. November befinden sich die Gebäude und Anlagen der konkursiten Biorender AG in neuem Besitz. (Bild: Hans Suter)

«Im Beisein von Vormieter, Anwälten und neutralen Experten wurden die Gebäude und Anlagen am Freitagnachmittag in gutem Einvernehmen an uns übergeben», sagt Marcel Kraus, Verwaltungsratspräsident der Bima Energie AG. Die vier Mitarbeitenden wurden ebenfalls übernommen. Innerhalb von 13 Monaten haben sie den dritten Arbeitgeber: zuerst die Biorender AG, dann die Jakob Bösch AG und seit 1. November nun die Bima Energie AG.

Produktion läuft weiter

Seit dem Konkurs der Biorender AG wurde die Biogasanlage vom Herisauer Entsorgungsunternehmen Jakob Bösch AG in Miete bewirtschaftet. Die neue Eigentümerin hat die Anlage bei laufendem Betrieb übernommen und führt sie in ähnlichem Stil weiter. «In kleinen Schritten werden wir den Rohstoffmix etwas verändern und anstelle von Grüngut als Co-Substrat wieder mehr tierische Nebenprodukte verwenden», sagt VR-Präsident Marcel Kraus. Die jährlich bis zu 30 000 Tonnen zu vergärende Rohware will das Unternehmen nach Möglichkeit in der Region beschaffen. Aus ökologischen Gründen, weite Transportwege vertragen sich in den Augen von Marcel Kraus schlecht mit einem Bioprodukt. «Es wäre wünschenswert, auf dem Biogasmarkt mehr Transparenz zu schaffen», sagt Kraus. Die Vergärung von Nutzpflanzen wie Mais, die speziell für die Biogasproduktion angebaut werden, hält er für bedenklich. Die Bima Energie AG konnte die Anlagen der ehemaligen Biorender AG für fünf Millionen Franken ersteigern. Damit hat die neue Eigentümerin erheblich tiefere Kapitalkosten als die Biorender AG.

Kostendeckend arbeiten

Dessen ist man sich im Verwaltungsrat der Bima Energie AG bewusst. Als finanzielle Vorgabe steht im Businessplan denn auch der Break-even-Point im Vordergrund. «Unser Ziel ist eine schwarze Null», sagt der Thalwiler Metzgerei-Unternehmer. Und er ist davon überzeugt, kostendeckend arbeiten zu können, obwohl es sich bei der Anlage um ein nach wie vor schweizweit einzigartiges Verfahren handelt und immer noch entsprechende Tücken hat. Bei der Übergabe wies die Anlage eine Tagesproduktion von 70 000 Kilowatt Biogas auf. Aktuell ist die Bima Energie AG bestrebt, pro Monat zwei Megawatt Biogas zu verkaufen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Tagesproduktion von rund 66 000 Kilowatt. Ohne sich zu sehr in die Karten blicken zu lassen, gibt Marcel Kraus zu verstehen, dass dieser Wert nahe am Kostendeckungspunkt liegt.

Bis Ende Jahr ist die Produktion bereits verkauft, für 2016 laufen weiterhin Verhandlungen. Mit den Gemeinden Uzwil und Flawil gehören zwei ehemalige, wenn auch kleinere Biorender-Aktionäre zu den künftigen Abnehmern. «Das ist für uns ein Aufsteller», sagt Kraus. Die weiteren ehemaligen Biorender Aktionäre Wil, St. Gallen, Winterthur und Schaffhausen gehören nicht zu den Abnehmern. «Gas wird auf längere Sicht eingekauft, wird sind deshalb etwas spät dran für 2016», sagt Kraus.

Mehrwert unter Druck

Wie gut lässt sich Biogas generell verkaufen? «Biogas zu verkaufen ist kein Problem, den ökologischen Mehrwert hingegen sehr», sagt Marcel Kraus. Auf dem Markt gebe es grosse Mengen an Biogas, was den ökologischen Mehrwert unter Druck gebracht habe. Viele Energieversorgungsunternehmen seien immer weniger bereit, den nötigen Mehrpreis zu bezahlen, was Biogas unrentabel mache. Andere Staaten, insbesondere Deutschland, subventionieren Biogas stark, was zu Ungleichgewichten auf dem Markt führt. Beim ökologischen Mehrwert handelt es sich um einen Aufpreis für die teurere ökologische Produktion. Während diese beim Strom über die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) per Gesetz automatisch erhoben wird, gibt es beim Biogas keine vorgeschriebene Abgeltung.