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Unruhiger Wellengang

Finanznot, Entlassungen und ein externer Sanierer: Die URh durchlebt derzeit stürmische Zeiten. Geschäftsführer Remo Rey glaubt aber dennoch an eine gute Zukunft, auch für seine Mitarbeiter.
Samuel Koch
URh-Geschäftsführer Remo Rey. Im Hintergrund das Motorschiff Munot. (Bild: pd)

URh-Geschäftsführer Remo Rey. Im Hintergrund das Motorschiff Munot. (Bild: pd)

Seit rund zwei Jahren führt der 40jährige Remo Rey die Geschicke der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Nach dem Jubiläumsjahr 2015 ist die See für die Weisse Flotte aber rauher geworden. Bisher mussten fünf Angestellte die URh verlassen, was die Unsicherheit im Umfeld zusätzlich erhöht. Für das Loch in der Kasse hofft die URh auf zinslose Darlehen der beiden Kantone Thurgau und Schaffhausen.

Herr Rey, wo steht die URh auf einer Skala von 1 bis 10?

Ich gebe uns eine 8. Der URh geht es nicht schlecht.

Sind Sie zufrieden mit der abgelaufenen Saison?

Ja. Mit 361 000 Fahrgästen haben wir im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt und die Zielsetzung übertroffen.

Die Steigerung bezieht sich aber auch auf das trockene 2015 mit schlechten Zahlen.

Ja, aber wir befinden uns nahe am 10-Jahres-Mittel. 2015 war sicher nicht zufriedenstellend. Wir sind dem «Klumpenrisiko» Wetter, und vor allem auch dem Wasserstand, mehr als andere Schifffahrtsgesellschaften ausgeliefert. Diese Schwankungen wirken sich direkt auf die Fahrgastzahlen und somit aufs Geschäftsergebnis aus.

Wie viele Fahrgäste braucht die URh, um rentabel zu sein?

Für eine schwarze Null rund 350 000 Passagiere jährlich. Danebst fehlt uns jedes Jahr bis zu einer halben Million Franken für Amortisierungen. Darum haben wir den Rotstift bei den Ausgaben ansetzen müssen. Wir müssen unsere Kosten im Griff haben.

Dass die URh-Finanzlage ungesund ist, weiss man am Munot nicht erst seit gestern. Konnte die Notbremse nicht früher gezogen werden?

Es ist müssig, über frühere Entscheide zu diskutieren. Fakt ist, dass wir jetzt in dieser schwierigen Situation stecken. Im August 2015 hat der Verwaltungsrat erste Schritte eingeleitet, die dann an der Generalversammlung im Mai kommuniziert wurden.

Ist es realistisch, jährlich eine halbe Million zu sparen?

Ja. Die Geschäftsleitung wurde bereits halbiert, womit wir rund 150 000 Franken einsparen. Mit Lernenden und Praktikanten können wir zudem eine gleiche Abdeckung mit geringeren Kosten gewährleisten.

Das heisst, alle arbeiten mehr für gleichbleibenden Lohn?

Nicht zwingend. Die URh ist ein Saisonbetrieb, in dem primär im Sommer Hochbetrieb herrscht. Es bringt nichts, alle Büroangestellten übers ganze Jahr zu bezahlen, wenn gewisse Tätigkeiten nur während fünf Monaten erledigt werden müssen. Es gibt also Abläufe, die noch optimiert werden können, obwohl wir sicher nicht zu wenig arbeiten. Deshalb bedanke ich mich bei allen Mitarbeitern, denn die Leistung zuletzt war enorm.

Müssen weitere Mitarbeiter um ihre Arbeitsstelle bangen?

Definitiv nicht. Wir haben viele hervorragende Leute, die wir auch behalten wollen.

Betrifft die Mehrarbeit auch das nautische Personal?

Nein, denn da greift das entsprechende Arbeitsgesetz. In der diesjährigen Hochsaison konnten jedoch viele Mitarbeiter nur wenige Ruhetage beziehen, und bei Umbauten in der Werft haben sie viel Eigenleistung produziert, die wir jetzt mit der Werftschliessung bis Ende Januar abbauen. Während der Saison bleibt der Arbeitseinsatz gleich.

Sogenannte Gastro-Matrosen sind aber beschlossene Sache.

Ja. Das betrifft aber nur die Mitarbeiter der Gastronomie, die derzeit in der Ausbildung sind. Damit gleichen wir die Fluktuation der Fahrgastzahlen in der Vor- und Nachsaison aus. Wenn wir bei Regen den ganzen Tag weniger als hundert Fahrgäste herumfahren, braucht es doch nicht vier URh-Mitarbeiter auf dem Schiff. Wir setzen unser nautisches Personal dann ein, wenn es gebraucht wird. Und damit sind wir auch auf Verständnis gestossen.

Bleibt das regelkonform?

Ja. Ab einem gewissen Wasserstand muss jemand vom Personal bei den Brücken-Durchfahrten die Sicherheit der Fahrgäste gewährleisten. Beim obersten Gut Sicherheit machen wir keine Abstriche. Was aber vorher ein Matrose leistete, kann bei wenig Arbeit auch ein Gastro-Matrose erledigen. Dafür müssen aber auch die anderen Mitarbeiter flexibel sein. Bei unserem vifen und berufsstolzen Personal habe ich da aber keine Bedenken.

Hilfe sucht sich die URh in der Politik in Form von zinslosen Darlehen.

Ja. Wir brauchen die Darlehen, um rasch genügend flüssige Mittel für technische Investitionen zu haben. Ohne die Neumotorisierung der Motorschiffe Schaffhausen und Arenenberg laufen wir Gefahr, dass wir plötzlich während der Saison ohne eines dieser Schiffe dastehen.

Wie kann man investieren, wenn die Kasse leer ist?

Indem wir unsere Kostenstruktur im Griff haben und unsere Geldflüsse kontrollieren. Zusätzlich haben wir das Aktienkapital erhöht, und jetzt brauchen wir für die neuen Motoren ein Darlehen.

Sommer, Sonne, viele Leute, und ein Schiff fehlt.

Das wäre ein Super-GAU. Es wäre fatal, wenn wir das Geld nicht bekämen. Wenn wir mit unseren Finanzen so wie jetzt haushalten, können wir die Darlehen innert zehn Jahren wieder begleichen.

Inwiefern trägt da die politische Diskussion mit dem Vorstoss der Thurgauer SP-Kantonsrätin Nina Schläfli bei?

Grundsätzlich sind öffentliche Diskussionen gut. Verhandlungen mit Mitarbeitern über die Gewerkschaft tragen wir aber nicht medial aus.

Was braucht es, dass die URh nicht buchstäblich den Rhein hinuntergeht?

Eine Saison wie die abgelaufene, möglichst mehrmals in Folge. Zudem müssen wir mit der Leidenschaft weiterarbeiten, die wir zuletzt an den Tag gelegt haben. Wir sind gut aufgestellt, wenn wir unsere Kosten im Griff haben.

Worauf fokussiert die URh in der Saison 2017?

Zuerst aufs Tagesgeschäft, wo wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten, beispielsweise mit der Schweizerischen Bodensee- Schifffahrt (SBS). Mit einem Aufpreis eines Fünflibers auf die Tageskarte können die Gäste von Schaffhausen nach Romanshorn oder umgekehrt fahren. Wir wollen generell unsere Partnerschaften weiter stärken und auch die erfolgreichen Gruppenangebote, wie den Ausflug auf den Arenenberg, weiterführen. Wie die einheimischen Gäste sind auch die Touristen elementar für die URh.

Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Erstens wollen wir eigenständig auf gesunden Beinen stehen, zweitens langfristig unseren Kursverkehr im Untersee stärken. Da laufen Gespräche, ob wir in einigen Jahren etwa auch Radolfzell anfahren. Wir sehen gerade auf der deutschen Uferseite noch ein grosses Potenzial. Vorher müssen wir aber gesund wirtschaften. Die Saison ist zwar vorbei, aber wir fahren auch in den Wintermonaten einige Extrafahrten mit dem Piano-, dem Brunch- oder dem Fondueschiff.

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