Unruhe im Amt wegen Kunst am Bau

Als Baustelle empfinden sie die Juristen, als Glücksfall die Denkmalpfleger: Die Betonplatten der Künstlerin Katalin Deér. Diese haben nach missglücktem Ausstellungsstart im Verwaltungszentrum nun in der Hauptpost ihren perfekten Ort gefunden.

Nina Rudnicki
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Die St. Galler Künstlerin Katalin Deér hinter einer der vier Betonplatten am neuen Standort in der Denkmalpflege. (Bild: Ralph Ribi)

Die St. Galler Künstlerin Katalin Deér hinter einer der vier Betonplatten am neuen Standort in der Denkmalpflege. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Von einem Moment des Glücks war die Rede, als im vergangenen Sommer im neuen Verwaltungszentrum Oberer Graben die Kunstwerke von Katalin Deér und Manon eingeweiht wurden. Der Kanton hatte sie als Kunst-am-Bau-Installationen gekauft. Und am Oberen Graben beim Sicherheits- und Justizdepartement sowie Gesundheitsdepartement den vermeintlich passenden Ort für sie gefunden. Die zwei Fotografien des verlassenen Bäderhotels in Baden von Manon bekamen in einem Raum neben dem Eingang Platz. Die vier Betonplatten von Katalin Deér mit eingegossenem Stuckmarmor und Fotografien aus der Ostschweiz wurden direkt im Empfangsbereich plaziert.

Und genau von hier sind letztere kürzlich wieder verschwunden. «Es gab zu viele negative Reaktionen. Etwa, dass die Kunstinstallation wie eine Baustelle aussieht», sagt Ursula Badrutt Schoch vom kantonalen Amt für Kultur, das zusammen mit dem Hochbauamt für die Beschaffung und Plazierung verantwortlich war.

Unverstellt und ordentlich

Beim Sicherheits- und Justizdepartement macht man keinen Hehl daraus, dass die vier Betonplatten nicht allzu gut ankamen. Die Kunstwerke thematisieren die Spuren der Zeit, indem das Flüchtige und Zufällige als Fotografie festgehalten und unvergänglich in Beton gegossen ist. «Die Installation hat uns einfach nicht gefallen. Und zwar weder den Mitarbeitern, noch den Kunden und auch nicht den Kaderleuten», sagt Hans-Rudolf Arta, Generalsekretär des Sicherheits- und Justizdepartements. Die Betonplatten hätten Unruhe und Unordnung in den Eingangsbereich gebracht. Daher habe man sich entschlossen, die Halle wieder in ihren ursprünglichen, unverstellten Zustand zurückzuführen. «Das ist auch allein wegen des intensiven Kundenverkehrs von Vorteil.» Unordnung passt tatsächlich schlecht zu Polizisten und Juristen. Da ist es nur konsequent, dass sie sich der störenden Objekte entledigt haben. Und das strategisch äusserst geschickt. Denn obwohl die Kunstwerke von Anfang an nicht gefallen haben, wollte man im Sicherheits- und Justizdepartement nicht voreilig handeln. Sondern auf den richtigen Moment warten. Und der ist mit dem Umzug der kantonalen Denkmalpflege in den ersten Stock der Hauptpost gekommen. «Nach der Erfahrung im Verwaltungszentrum haben wir uns nach einem kulturnäheren Ort umgeschaut», sagt Ursula Badrutt Schoch. «Und in der Hauptpost haben wir diesen schönen Ort gefunden.»

Wie ein Parcours

«Wie ein roter Faden ziehen sich die Platten durch unsere neuen Büroräume», schwärmt auch Michael Niedermann, Leiter der kantonalen Denkmalpflege. Zwei der Tafeln stehen in der Nähe des Eingangs, die dritte ist im Raum als Tisch plaziert und die vierte findet sich beim Ausgang. Negative Reaktionen habe es noch keine gegeben. Denn hier wirken die Tafeln nicht wie Fremdkörper, sondern erinnern an einen Parcours, wie Niedermann sagt. «Dass die Kunstwerke jetzt bei uns sind, ist ein Glücksfall. Sie passen zu unserem Stil.» So viel Progressivität und Enthusiasmus mag erstaunen. Haftet den Denkmalpflegern doch ein eher verstaubtes Image an. Generalsekretär Hans-Rudolf Arta zeigt sich über die positive Wendung derweil erfreut: «Das zeigt, es war der richtige Entscheid.»