Ungewohntes Zusammenspiel

MÜNCHWILEN. Das Duo Pegasus vereint Kirchenorgel und Hackbrett. Am Samstag gastierten Urs Bösiger und Paolo d'Angelo in der katholischen Kirche Münchwilen. Im Konzert hatte das Hackbrett Mühe, sich Gehör zu verschaffen.

Rudolf Steiner
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Die Akustik machte es Urs Bösiger am Hackbrett beim Konzert in der katholischen Kirche Münchwilen nicht leicht. (Bild: Rudolf Steiner)

Die Akustik machte es Urs Bösiger am Hackbrett beim Konzert in der katholischen Kirche Münchwilen nicht leicht. (Bild: Rudolf Steiner)

Zugegebenermassen ist es den Musikern Urs Bösiger aus Sulgen und Paolo d'Angelo aus Pfyn hoch anzurechnen, dass sie das Experiment dieser zehn Auftritte umfassenden Konzertreihe (siehe Kasten) überhaupt wagten. Das ungewohnte Zusammenspiel von Kirchenorgel und Hackbrett erwies sich aber als weniger hörbar als erhofft, dafür umso heterogener als befürchtet.

Unvorhersehbare Klänge

Doch das Positive vorweg: Die beiden hervorragenden Berufsmusiker erhielten von den 80 Besuchern und Besucherinnen, die sich im sakralen Oval des Kirchenraums etwas verloren fühlten, ordentlich Applaus. Und auch das Programm aus einer Kombination von Volksmusik verschiedenster Einflüsse und Klassik war vielversprechend und weckte beim Publikum grosse Hoffnungen. So kündeten die beiden Musiker traditionelle Volksmusik aus dem Appenzellischen und aus dem Toggenburg sowie aus dem Balkan an. Und mit der zwölf Minuten dauernden Toccata und Fuge in D-Dur von Johann Sebastian Bach und der Hackbrett-Sonate in G-Dur von Melchior Chiesa enthielt das Programm auch einen klassischen Teil.

Doch so spektakulär und einzigartig die beiden Instrumente Kirchenorgel und Hackbrett sein mögen, die Kombination der beiden scheint äusserst schwierig und anforderungsreich zu sein. Für die Tatsache aber, dass das Zusammenspiel von Hackbrett und Orgel in der Volksmusik eine lange Tradition hat, sind die Hausorgeln ein untrüglicher Hinweis. Denn die standen früher in vielen Bauernstuben.

So mag denn auch den beiden Musikern dieses traditionelle familiäre Zusammenspiel beim Projekt der experimentellen Konzertreihe Pate gestanden haben, um die zum Teil in ihrer Homogenität ausgetretenen Pfade der Sparten Volksmusik und Klassik zu verlassen und das kühne Experiment zu wagen.

Übermächtige Orgel

In dieser Kombination vermochten aber – abgesehen von den beiden Solostücken Toccata und Fuge in D-Dur von Bach auf der Orgel und Sonate in G-Dur von Melchior Chiesa auf dem Hackbrett – nur einzelne Passagen in ihrer Hörbarkeit zu überzeugen. So ging im überwiegenden Teil des 75 Minuten dauernden Konzertes das normalerweise glasklar tönende Hackbrett buchstäblich unter und wurde von der übermächtigen und dominanten Kirchenorgel förmlich geschluckt. So erstaunt es auch nicht, dass sich mehrere Besucher und Besucherinnen am Schluss des Konzertes enttäuscht äusserten, sie hätten vom Hackbrett praktisch nichts gehört.

Dazu beigetragen haben mögen möglicherweise auch die Position der Orgel – in der modernen Kirche in Münchwilen steht sie im schummrigen Seitenschiff – und die Ausmasse des Kirchenraums.

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