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Ungewöhnliche Gäste in Häusern

Eine islamische Gemeinde hält ihre Jahresversammlung im Weiler Häusern bei Wigoltingen ab. Zu Besuch bei dieser nichtalltäglichen Veranstaltung sind auch ungewöhnliche Gäste aus der Thurgauer Politik.
Kaspar Enz
SVP-Kantonsrat Hermann Lei spricht vor der Ahmadiyya-Gemeinde an ihrer Jahresversammlung in Häusern bei Wigoltingen. (Bild: Reto Martin)

SVP-Kantonsrat Hermann Lei spricht vor der Ahmadiyya-Gemeinde an ihrer Jahresversammlung in Häusern bei Wigoltingen. (Bild: Reto Martin)

wigoltingen. Nur wenige Häuser stehen in Häusern, einem Weiler wenige hundert Meter vom Bahnhof Mühlheim-Wigoltingen entfernt. Um eines dieser Häuser ging es am vergangenen Wochenende ungewöhnlich geschäftig zu und her. Gegen 700 Besucher aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland kamen in das kleine Dorf im Thurtal. Grosse Zelte waren aufgestellt, doch darin roch es nicht nach Bratwürsten, sondern nach den kräftigen Gewürzen des indischen Subkontinents.

Denn eines dieser Häuser ist ein Gebetshaus der Ahmadiyya-Gemeinde, einer islamischen Glaubensgemeinschaft, die vor allem in Pakistan verbreitet ist. Etwa 800 Ahmadis wohnen in der Schweiz.

«Von Verkrustungen befreien»

Blumen umrahmen das rot verkleidete Podest im Hauptzelt. Von einer Kanzel herab predigt ein Mann auf Urdu, einer in Pakistan und Indien gesprochenen Sprache. Für Gäste wird die Predigt über Funk auf Kopfhörer synchronisiert. Der Prophet Mohammed habe alle seine Frauen gleich behandelt.

Die Frauen seien deshalb gleichgestellt, sagt er. «Unser Ziel ist es, den ursprünglichen Islam von seinen Verkrustungen zu befreien», sagt danach Usman Baig – auf Deutsch mit Tessiner Akzent. Er sitzt in der Baukommission der Tessiner Gemeinde Massagno – für die CVP. Baig stellt die beiden Gäste vor, die hinter dem Podest zwischen Männern mit traditioneller Kopfbedeckung sitzen. Es sind die beiden SVP-Kantonsräte Urs Martin und Hermann Lei.

Man habe nicht irgendwelche zwei Kantonsräte zu Gast, sondern zwei «kritische», sagte Martin in seiner kurzen Ansprache. Sie seien kritisch beim Thema Einbürgerungen, aber auch gegenüber dem Islam. «Wer sich nicht an die Regeln hält, hat sein Gastrecht verwirkt.» Der islamische Glaube stehe aber oft im Widerspruch zu diesen Regeln, sagt Martin. Die Jungen sollen eine Lehre machen und nicht kriminell werden, sagt Hermann Lei den Anwesenden. Er habe auch gewisse Vorbehalte gegenüber Minaretten.

«Wir haben das Gefühl, dass Minarette einen politischen Anspruch symbolisieren.» Er sei hierher gekommen, um diesen Glauben besser kennenzulernen.

Dialog der Kulturen

Dazu hatten Lei und Martin später im Haus bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit. Das Minarett sei kein politisches Symbol, sagt Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der deutschen Ahmadiyya-Gemeinde.

Er befürchte, dass die Diskussion um die Volksinitiative zum Verbot von Minaretten die Schweizer Moslems radikalisiere. Minarette hätten auch einen Vorteil. «Der Islam wird transparenter», sagt er. Denn anders als in die Hinterhof-Moscheen wären Moscheen mit Minaretten klar erkennbar.

Dass der Islam oft mit Terrorismus in Verbindung gebracht würde, bedauert Wagishauser.

Auch die Ahmadis litten darunter – wegen ihrer abweichenden Interpretationen des Islam werden sie in ihrer Heimat Pakistan verfolgt.

«Kritisch darf man sein», sagt Walid Tariq Tarnutzer, der Präsident der Schweizer Ahmadiyya-Gemeinde nach dem Gespräch. «Wir sind auch kritisch gegenüber der SVP». Hinterfragen und Forschen sei nichts Schlechtes. Das fordere auch der Islam, sagt der Bündner, der mit 19 Jahren zur Ahmadiyya konvertierte.

Ein Minarett in Häusern?

«Wir wurden gut empfangen», sagt Hermann Lei, kurz bevor er diesen Dialog der Kulturen verlässt. Die Ahmadis würden auch Kritik akzeptieren – allerdings seien sie innerhalb des Islam auch eine spezielle Gruppe. Seine Meinung zu den Minaretten habe er grundsätzlich nicht geändert. Aber «wenn alles solche Leute wären, wäre es wohl kein Problem.»

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