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UNFALLFOTOS: Verpixelte Bilder: Thurgauer Polizei will keine Gratiswerbung machen

Die Kantonspolizei verpixelt auf Pressebildern Nummernschilder und Beschriftungen auf Lastwagen. Sogar Plakate werden unleserlich gemacht mit der Begründung, die Polizei wolle keine Werbung betreiben.
Thomas Wunderlin
Die Medienstelle der Kantonspolizei machte das Plakat unlesbar: Unfall in Weinfelden, 13. Januar 2018. (Bild: Kapo TG)

Die Medienstelle der Kantonspolizei machte das Plakat unlesbar: Unfall in Weinfelden, 13. Januar 2018. (Bild: Kapo TG)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Auf dem Unfallfoto prangte unübersehbar das Plakat eines Fitnessstudios. Es hing an der Rückwand einer Autowaschanlage an der Weinfelder Lagerstrasse, als am 13. Januar 2018 unmittelbar davor ein 56-jähriger Autofahrer mit einem silberfarbenen Audi-Kombi frontal in einen Baum am Strassenrand krachte. Die Medienstelle der Kantonspolizei Thurgau machte das Plakat auf dem Bild mit einem Computerprogramm unlesbar, bevor sie es veröffentlichte.

Dieses Plakat fiel dem Fotoshop zum Opfer. (Bild: Donato Caspari)

Dieses Plakat fiel dem Fotoshop zum Opfer. (Bild: Donato Caspari)

Dem Bildbearbeitungsprogramm Fotoshop zum Opfer fiel auch der Text eines Plakats neben der Baustelle eines Romanshorner Mehrfamilienhauses, wo in der Nacht zum 2. Februar ein Brandstifter am Werk war. Auf dem für Medien zur Veröffentlichung freigegebenen Foto sieht man nur noch, wie das fertige Gebäude aussehen wird. Nicht erkennbar sind die Details wie der Mietpreis der zur Vermietung ausgeschriebenen Wohnungen.

Unleserlicher Text: Romanshorn, 2. Februar 2018. (Bild: Kapo TG)

Unleserlicher Text: Romanshorn, 2. Februar 2018. (Bild: Kapo TG)


Die Polizei verschont das Publikum vor Blutlachen

Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, dementiert die Vermutung, dass Fotos vermehrt retuschiert werden. Die Kantonspolizei gebe jedoch mehr Bilder heraus als früher: «Deshalb fällt es vielleicht eher auf», sagt Graf. Das Bedürfnis der Medien, vor allem der Online-Portale, nach Bildern habe zugenommen. Bei der Auswahl und der Bearbeitung der Bilder würden die Persönlichkeitsrechte sehr hoch gewichtet. «Man soll nicht daraus schliessen können, wer die Unfallbeteiligten sind», sagt Matthias Graf.

Die Kantonspolizei Thurgau veröffentliche keine Bilder von Opfern und Tätern, ausgenommen bei Fahndungen. Auch Blutlachen seien darauf keine zu sehen.

Verpixelte Autotüre: Etzwilen, 17. Januar 2018. (Bild: Kapo TG)

Verpixelte Autotüre: Etzwilen, 17. Januar 2018. (Bild: Kapo TG)

Im Unterschied zur Stadtpolizei Zürich nennt die Kantonspolizei Thurgau weiterhin die Nationalität von Verdächtigen. «Wir richten uns nach den Empfehlungen der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten», sagt der Thurgauer Polizeisprecher. Auch der Umgang mit Pressebildern entspreche jenem anderer Kantone. Fotos von Firmenautos habe man im Zusammenhang mit Unfällen früher eher weggelassen.

Gelöschter Firmenname: Frauenfeld, 17. April 2016. (Bild: Kapo TG)

Gelöschter Firmenname: Frauenfeld, 17. April 2016. (Bild: Kapo TG)

Heute neige man dazu, sie zu veröffentlichen, mache jedoch die Firmenaufschrift unlesbar. «Wenn jemand in ein Schaufenster fährt, verpixeln wir den Firmennamen ebenfalls», sagt Polizeisprecher Matthias Graf. Auch Unternehmen hätten Persönlichkeitsrechte.

Polizei ist neutral und macht keine Werbung

Beim Brand in Romanshorn Anfang Februar habe man Rücksicht auf den Vermieter der Liegenschaft genommen. «Wir wollen keine Gratiswerbung machen», erklärt Matthias Graf, weshalb er das Plakat an der Weinfelder Lagerstrasse unlesbar machte. «Die Polizei ist neutral, sie macht nicht Werbung für ein Unternehmen», betont der Polizeisprecher. Die Werbung für ein Fitnessstudio wäre fehl am Platz gewesen: «Ich wollte den Fokus auf den Unfall, nicht aufs Plakat richten», betont Matthias Graf. Es sei auch unangebracht, wenn ein Plakat in Zusammenhang mit einem Unfall zum Schmunzeln Anlass gebe. Ein besseres Foto sei ihm nicht zur Verfügung gestanden, sagt Graf: «Auf den anderen Bildern waren Personen drauf, das ging nicht.»

Reto Martin, Fotograf der «Thurgauer Zeitung», empfiehlt in solchen Fällen, «so zu fotografieren, dass das Plakat nicht zu sehen ist. Verpixeln ist schlicht unschön.»

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