UNFALLBERICHT: Flugzeugkollision hat ein Nachspiel

Ein Todesopfer, sechs Verletzte: Das war die Bilanz nach dem Zusammenstoss zweier Flugzeuge im August 2014 über Rickenbach. Die Untersuchung zeigt: Die Piloten waren zu wenig aufmerksam.

Adrian Vögele
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Die zerstörte Piper nach der Bruchlandung auf einem Feld in der Nähe von Bronschhofen. (Bild: Donato Caspari (24. August 2014))

Die zerstörte Piper nach der Bruchlandung auf einem Feld in der Nähe von Bronschhofen. (Bild: Donato Caspari (24. August 2014))

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

Als sie einander sahen, war es schon zu spät. Zwei Kleinflugzeuge gerieten am 24. August 2014 über Rickenbach bei Wil auf ­Kollisionskurs. Am Steuer beider Maschinen sassen Berufspiloten. Sie versuchten im letzten Moment auszuweichen, doch vergebens: Die Maschinen, eine Piper PA-28 und eine Cessna T210L, kollidierten. Nun hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) den Schlussbericht zum Unfall veröffentlicht.

Die beiden Passagiere in der Cessna wurden beim Aufprall schwer verletzt, Scheiben gingen zu Bruch, das rechte Höhenleitwerk wurde abgerissen. Die Piper – sie hatte drei Passagiere an Bord – verlor ein Drittel ihres rechten Flügels und liess sich kaum mehr steuern. Der Pilot der Piper musste auf einer Wiese bei Bronschhofen notlanden. Dabei verletzten sich alle vier Insassen schwer. Der Pilot der Cessna, der selber leicht verletzt war, peilte ebenfalls ein Feld für eine Notlandung an, doch dieses erwies als nicht geeignet – die Maschine musste durchstarten. Danach wollte der Pilot das Flugzeug auf einer Landstrasse aufsetzen, doch auch dieser Versuch schlug fehl, da sich Passanten auf der Strasse befanden. Schliesslich entschied sich der Pilot für eine Landung auf dem Flugplatz Sitterdorf. Er schaffte es, die Cessna ohne weitere Schäden zu landen und Hilfe zu holen. Die Insassen der auf dem Feld notgelandeten Piper musste die Feuerwehr bergen. Eine 16-jährige Passagierin starb später im Spital.

Abgelenkt innerhalb des Cockpits

Laut der Sust ist die Ursache für den Unfall simpel: «Der Luftraum wurde zu wenig aktiv überwacht.» In den eineinhalb Minuten vor dem Zusammenstoss seien die Flugzeuge weniger als fünf Kilometer voneinander entfernt gewesen. Doch die Piloten hätten die jeweils andere Maschine nicht wahrgenommen, weil sie teils durch «Tätigkeiten» im Cockpit abgelenkt gewesen seien. Eine Rolle spielte auch, dass sich eine dritte Maschine in der Nähe befand, eine Mooney M20J, die die Piloten bereits im Auge behalten mussten. Zudem war keine der beiden Maschinen mit einem Kollisionswarngerät ausgerüstet.

Die Piper war auf dem Flugplatz Lommis zu einem gewerbsmässigen Rundflug gestartet. Mit an Bord waren nebst dem Piloten ein Vater mit seiner 16-jährigen Tochter und ein weiterer Passagier. Die vereinbarte Flugzeit betrug 40 Minuten. Weil diese noch nicht ganz aufgebraucht waren, drehte der Pilot in der Nähe von Lommis noch eine Schlaufe und arbeitete dann die Anflug-Checkliste ab. Schliesslich erkannte er die Mooney, kurz bevor es zur Kollision mit der Cessna kam.

Die Cessna war auf dem Flughafen Zürich gestartet und befand sich auf einem Privatflug. Der Pilot nahm einen Kollegen mit, der sich überlegte, sich auf dieses Muster umschulen zu lassen. Als zweite Passagierin war eine Bekannte des Piloten mit dabei, die sich in der fliegerischen Ausbildung befand. Im Raum Wil flog der Pilot einen Kreis und wechselte die Frequenz am Funkgerät. Sein Passagier erkannte die Mooney und behielt sie im Blick – als plötzlich die Cessna von unten rechts in seinem Blickwinkel auftauchte.

Aktionsplan für Einführung von Warngeräten verlangt

Die Kollision ist kein Einzelfall: Die Sust nennt eine Reihe ähnlicher Vorfälle in den vergangenen Jahren. Involviert gewesen seien nicht nur Sportflugzeuge, sondern zum Beispiel auch Helikopter. Stets hätten die Piloten den Luftraum zu wenig aktiv überwacht, und ein Kollisionswarnsystem sei nur einseitig oder gar nicht vorhanden gewesen. Die Sust weist nun das Bundesamt für Zivilluftfahrt an, einen Aktionsplan zur Einführung von kompatiblen Kollisionswarnsystemen für die allgemeine Luftfahrt auszuarbeiten und umzusetzen.

Ausserdem erinnert die Sust daran, dass Piloten ihre Passagiere vor dem Flug auffordern können, sich an der Überwachung des Luftraums zu beteiligen. Ob dies im Fall der Cessna passiert ist, ist unklar. Der Pilot der Piper jedoch verzichtete darauf – weil man sich nicht auf die Passagiere verlassen könne, wie er zu Protokoll gab. Der Mann war auf einem Flug ein Jahr zuvor im Kanton Aargau bereits mit einem Segelflugzeug zusammengestossen. Die Sust erwähnt den Vorfall in ihrem Bericht. Auch dort seien die Piloten beider Flugzeuge zu wenig aufmerksam gewesen.