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«Und was ist mit der 85jährigen Rentnerin?»

Der Avec-Shop darf künftig keine SBB-Tickets mehr verkaufen. Nun schaltet sich der Gemeinderat ein.
Simon Roth
Hans Mäder Gemeindepräsident (Bild: kuo)

Hans Mäder Gemeindepräsident (Bild: kuo)

Der Avec in Eschlikon ist einer von elf Verkaufsstellen im Kanton Thurgau, denen die SBB per Ende 2017 die Lizenz zum Billettverkauf entziehen wollen. Der Entschluss hat den Eschliker Gemeinderat auf den Plan gerufen. Dieser hat in Absprache mit dem kantonalen Departement für Inneres und Volkswirtschaft wie auch weiteren betroffenen Gemeinden mit einem Schreiben beim SBB-Chef Andreas Meyer interveniert. Gemeindepräsident Hans Mäder argumentiert, dass die zusätzlichen Dienstleistungen für den Standort unerlässlich seien, zumal der Avec einer der ersten Läden in der Region mit einem derart ausgebauten Angebot gewesen sei.

Falsches Signal für ländliche Gebiete

Zwar bringe der Gemeinderat aus betriebswirtschaftlicher Sicht Verständnis für die geplanten Einsparungen auf, jedoch sei die Einsparung von gut fünf Millionen Franken eher bescheiden verglichen mit dem Imageschaden, den Mäder den SBB für den Entscheid prophezeit. «Damit wird ein völlig falsches Signal gesendet», bedauert er und befürchtet einen weiteren Abbau der öffentlichen Dienstleistungen auf dem Lande. Die SBB entgegnen, dass die Läden und Kioske weiterhin bestehen blieben und verweisen auf Billettautomaten, Schalter und das Internet.

«Und was ist mit der 85jährigen Rentnerin?», fragt sich Mäder besorgt. Gerade ältere Mitmenschen seien mit der komplizierten Handhabung der Automaten überfordert und benötigten deshalb die Möglichkeit einer persönlichen Beratung. Abgesehen davon befinde sich die nächste Eigenverkaufsstelle der SBB in Sirnach.

Mäder geht davon aus, dass auch diese in geraumer Zeit geschlossen werde. «Um dorthin zu kommen, müssten ältere Menschen ihr Billett im Bus lösen, womit der reguläre Fahrplan aufgehalten würde.» Und auch am telefonischen Beratungsservice findet Mäder nichts Positives: «Mit 1.19 Franken pro Minute sind die Gebühren der Hotline schlicht zu hoch.»

Hoffen auf Signalwirkung

Der Gemeindepräsident sieht sich ein Stück weit im Stich gelassen. «Ständig wird die Landflucht beklagt. In den Gemeinden bemühen wir uns, den Bürgern ein attraktives Angebot zu bieten», beschwert sich Mäder und doppelt nach: «Der geplante Leistungsabbau im öffentlichen Verkehr ist kontraproduktiv. Unsere Bemühungen werden damit zunichte gemacht.»

Grosse Hoffnungen auf die Auswirkungen des Schreibens macht sich Mäder indes nicht. «Ich rechne nicht damit, dass es bei den Verantwortlichen der SBB auf grossen Anklang stösst.» Dennoch dürfte der kollektive Effort der betroffenen Gemeinden eine Signalwirkung aussenden. Zumal das Interesse eine einvernehmliche Lösung zu finden beiderseits besteht.

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