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Unbemerkter Ungehorsam

Allzu schöne Kirchenkunst in Berlingen
Mathias Frei

Die Thurgauer schwimmen gegen den Strom. Zum Beispiel die in Berlingen am Untersee. Denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Und einen geschenkten Pokal wirft man schon gar nicht weg, nur weil er denen in Zürich zu schön daherkommt. Oder wie es Betty Sonnberger, Verantwortliche für kirchliche Kunst bei der kantonalen Denkmalpflege, ausdrückt: «Im Thurgau wird nicht so heiss gegessen, wie in Zürich gekocht worden ist.» Sonnberger hat sich mit den Veränderungen beim Gebrauch von kirchlichen Gerätschaften befasst und dies kürzlich beim Museumshäppli des Historischen Museums Thurgau thematisiert. Heute mag es keine Rolle spielen, wie das Messgeschirr aussieht, das ein Pfarrer während eines Gottesdiensts verwendet. Das war vor 500 Jahren im damals neuen Zeitgeist der Reformation anders.

Am 13. April 1525 feiern die Zürcher im Grossmünster ihr erstes reformiertes Abendmahl. Wie Huldrych Zwingli im gleichen Jahr in seiner Schrift «Action oder bruch des nachtmals» festhält, sollen «die schüsßlen unnd bächer höltzin» sein. «Damit der bracht nit wider kömme.» Er fordert also den Gebrauch von hölzernem Messgeschirr, damit die neue Kirche nicht in die alte, katholische Pracht zurückfällt. Das ist eine Vorschrift, an die sich die Zürcher Pfarrer halten müssen. Erst im Jahr 1850 schafft die Stadtzürcher reformierte Kirchgemeinde zwölf Silberbecher und zwei Schüsseln an. Im zürcherischen Maur wird das Abendmahl noch bis 1905 mit Holzgeschirr gefeiert. Eigentlich würden diese Vorschriften auch für den Thurgau gelten. Eigentlich.

Aber was macht man, wenn man einen schönen, glänzenden, weil vergoldeten Kupferpokal geschenkt bekommt, damit dieser als Abendmahlskelch verwendet wird? Man stellt das gute Stück nicht grad demonstrativ in der Kirche aus, aber verwendet es einfach trotzdem. Die Reformierte Kirchgemeinde Berlingen erhält – wohl von zwei Kirchbürgern – im Jahr 1762 ein Geschenk, nämlich einen profanen Buckelpokal (siehe Bild). Die beiden edlen Spender haben sich mit ihren Initialen «VM» und «MM» verewigen lassen. Zu dem Zeitpunkt ist das Geschenk schon über hundert Jahre alt. Gefertigt hat es ein Goldschmied aus Augsburg, anhand der Meistermarke muss es Melchior Burtenbach oder Marx Merzenbach gewesen sein.

«Die Thurgauer waren in dieser Hinsicht pragmatischer und hatten Freude am Schönen», sagt Betty Sonnberger. Die Berlinger waren nicht die einzigen ungehorsamen Kirchbürger. So ist zum Beispiel aus Frauenfeld, Hüttlingen oder Raperswilen Zinngeschirr erhalten. Und aus Uttwil stammt ein goldener Doppelpokal, der auseinandergenommen zwei Abendmahlskelche darstellt. Das Thurgauer Fehlverhalten wurde in Zürich nicht bemerkt. «Ich habe jedenfalls keine Belege dafür gefunden, dass eine Kirchgemeinde deswegen gemassregelt worden wäre», sagt Sonnberger.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Nächstes Museumshäppli am Donnerstag, 27. Juli: «Zwei Porträts im Zeichen der Reformation – Bibliander und Breitinger im Museum», Referentin: Margrit Früh. www.historisches-museum.tg.ch

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