Umstrittene Tourismusförderung

Der Thurgauer Regierungsrat überdenkt nach breiter Kritik seine ambitiösen Pläne zur Förderung des Tourismus. Das Budget von Thurgau Tourismus hätte auf 2 Millionen Franken verdoppelt werden sollen. Bis Ende Jahr muss das zuständige Departement neue Vorschläge ausarbeiten.

Markus Schoch
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Blueschtfahrt im Oberthurgau: Für die touristische Vermarktung des Kantons steht vorerst nicht mehr Geld zur Verfügung. (Bild: Thurgau Tourismus/Christian Perret)

Blueschtfahrt im Oberthurgau: Für die touristische Vermarktung des Kantons steht vorerst nicht mehr Geld zur Verfügung. (Bild: Thurgau Tourismus/Christian Perret)

frauenfeld. Der Rückzieher kommt nicht überraschend. Die Vorschläge waren in der Vernehmlassung Ende des letzten Jahres auf teils heftigen Widerstand gestossen. Der Regierungsrat ist jetzt zum Schluss gekommen, dass die Vorlage so «nicht mehrheitsfähig» sei, wie er gestern mitteilte. Die Idee selber wird aber nicht aufgegeben. Das zuständige Departement für Inneres und Volkswirtschaft muss bis Ende Jahr neue Vorschläge ausarbeiten.

Denn die grundsätzliche Stossrichtung der regierungsrätlichen Pläne ist weitgehend unbestritten: Der Tourismus im Thurgau muss gefördert werden. Auch in den grossen Linien ist man sich nach Angaben des Regierungsrates weitgehend einig: Thurgau Tourismus soll zu einer sogenannten Destinationsmarketing-Organisation (DMO) ausgebaut werden, und zwar in Etappen.

Knackpunkt Finanzierung

In den Details gehen die Meinungen jedoch teils weit auseinander, beispielsweise was die Aufgaben von Thurgau Tourismus sind, wie der Tourismus im Thurgau konkret gefördert werden soll und welche Rolle die lokalen und regionalen Tourismusorganisationen künftig spielen.

Eigentlicher Knackpunkt ist die Finanzierung der Vorwärtsstrategie, die vorsah, das Budget von Thurgau Tourismus auf 2 Millionen Franken jährlich zu verdoppeln.

Beiträge leisten sollten der Kanton (960 000 Franken), die Beherbergungsbetriebe (440 000) und die Gemeinden (240 000).

Die Mehrheit der Vernehmlassungsteilnehmer lehnte diesen Schlüssel ab. Im wesentlichen gibt es drei Positionen, schreibt der Regierungsrat in seiner Mitteilung: Die meisten skeptischen Gemeinden fordern wie der Gemeindeverband, dass der Kanton Thurgau Tourismus vollumfänglich finanzieren soll.

Eine zweite Gruppe findet, nicht nur Beherbergungsbetriebe sollten sich an den Kosten beteiligen, sondern zu deren Entlastung auch andere touristische Leistungserbringer, insbesondere die Gastronomie. Eine Minderheit schliesslich möchte das heutige Prinzip der Freiwilligkeit beibehalten beziehungsweise schlägt vor, die Leistungen nach dem Verursacherprinzip den Bezügern in Rechnung zu stellen.

Gleichzeitig soll Thurgau Tourismus konsequent nur noch für diejenigen Betriebe Werbung machen, die sich auch finanziell an der Organisation beteiligen.

Tourismusgesetz schaffen

Empfohlen wird die Schaffung eines Tourismusgesetzes. Eine Minderheit fordert, damit auch gleich die Rechtsgrundlage für eine kommunale Tourismusabgabe zu schaffen.

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