Um eine Gurkenlänge voraus

Mein Cousin der Steckborner Turmspatz gesteht: «Weisst du, lieber Siegelturmtschilper gemüsemässig seid Ihr uns schon um Gurkenlängen und Salatdurchmesser voraus.» Das ist richtig.

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Mein Cousin der Steckborner Turmspatz gesteht: «Weisst du, lieber Siegelturmtschilper gemüsemässig seid Ihr uns schon um Gurkenlängen und Salatdurchmesser voraus.» Das ist richtig. Das Gemüse für die Steckborner liegt im Supermarkt, sehnsuchtsvoll schaut man über den See zur Reichenau, wo alles wächst, wovon die Steckborner nicht einmal zu träumen wagen. Wenn ich über unseren Bezirk Diessenhofen fliege, pardon, die Region natürlich, komme ich nicht mehr aus dem Staunen heraus. Wir kleckern nicht, wir klotzen beim Gemüse. Im Schlattertal zum Beispiel wachsen die grössten Kürbisse und beim Klostergut Paradies werden Kartoffeln geerntet, die beste Chips und Pommes hergeben. Die Landwirtschaft im Katharinental bewirtschaftet so grosse Flächen, dass vor einigen Jahren sogar Ausserirdische darauf landeten, weil sie es nicht glauben konnten. Dass die Klostergütler von Neugierigen und Esoterikern Eintritt beim Kornkreis verlangten, um den Ernteausfall zu kompensieren, ist eine andere Geschichte. Auch das in Hors-sol-Zucht entstandene Forellen- und das Barschgemüse im Kundelfingerhof braucht keine Vergleiche zu den frei schwimmenden Seegurken im Untersee zu scheuen. Fliegt man über Basadingen und Schlattingen, sieht man erst einmal gar kein Gemüse. Das ist zu geheim: Da wird alles im Treibhaus und unter Plastik versteckt. Welche rekordverdächtigen Gurken, Tomaten oder Bohnen, welche Riesensalate sich da verstecken und mit holländischer Technik grossgezogen werden, entzieht sich meinen Kenntnissen. Vor kurzer Zeit wurde das Geheimnis endlich gelüftet. Gross steht nun am Treibhaus zwischen Schlattingen und Diessenhofen, dass hier «Schwarzes Gold» geerntet wird. Alles klar! Mit unserem Gemüse kann man wirklich ordentlich Geld machen.

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