UESSLINGEN: Von der Traube in die Flasche

Im Dorf entsteht eine neue Weinkellerei. Der Gutsbetrieb Engel veredelt die Trauben ab der Ernte 2018 in Eigenregie und gibt dem Engelwy eine noch individuellere Note.

Christine Luley
Drucken
Teilen
Beim Spatenstich: Betriebsleiter Markus Frei, Luca Nadig, Architekt Stefan Ritzler, Besitzer Linard Nadig, Besitzerin Sylvia Nadig-Lenz, Nicolas Nadig und Betriebsleiterin Sonja Holenweger. (Bild: Christine Luley)

Beim Spatenstich: Betriebsleiter Markus Frei, Luca Nadig, Architekt Stefan Ritzler, Besitzer Linard Nadig, Besitzerin Sylvia Nadig-Lenz, Nicolas Nadig und Betriebsleiterin Sonja Holenweger. (Bild: Christine Luley)

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Der Spatenstich findet auf einer Riesenbaustelle statt, denn erst musste Platz für das neue Gebäude geschaffen werden. Bis zum 2. August stand an gleicher Stelle ein Stall. Neben der Müller-Schür, so bezeichnen Einheimische den Ort, soll ein zweistöckiges Gebäude mit drei Wohnungen entstehen. Architekt Stefan Ritzler berichtet, dass auf einer Bodenfläche von 495 Quadratmetern im Untergeschoss die Kelterei untergebracht wird, mit modernster Technik in der Weinverarbeitung und Tankräumen. Eine Herausforderung sei die moderne Energienutzung. Die ARGE Lenz Baugeschäft AG Uesslingen und Ernst Herzog AG Frauenfeld verwirklichen das Bauvorhaben, der junge Uesslinger Rico Lenz hat die Bauführung. Es wird mit einer Bausumme von knapp drei Millionen Franken gerechnet. Der Gutsbetrieb Engel AG mit der Besitzerfamilie Sylvia und Linard Nadig-Lenz und dem Betriebsleiterpaar Sonja Holenweger und Markus Frei produziert am Iselisberg auf elf Hektar den Engelwy. Auf weiteren 40 Hektar wird Ackerbau und Landwirtschaft betrieben.

Individuellere Weinherstellung

Sylvia Nadig-Lenz sieht den Bau einer eigenen Kelterei als einen wichtigen Schritt in die Zukunft. «Er verbessert die langfristigen Perspektiven, gibt uns mehr Flexibilität und die Möglichkeit, innovativ zu sein.» Die Kunden könnten neben dem Weinverkauf direkt ab Betrieb und den von Sonja Holenweger organisierten Events ab Herbst 2018 die Kelterei besichtigen und dadurch den ganzen Prozess der Weinherstellung mitverfolgen.

Die Familie Sylvia Nadig-Lenz betreibt den Weinbau in vierter Generation. Linard Nadig erzählt, wie Urgrossvater Johannes Lenz 1851 als 19-Jähriger acht Aren Rebland für 20 Gulden gekauft hat. Das entspricht wohl etwa 47 Franken, denn gleichzeitig war in der Schweiz die Währungsumstellung von Gulden auf Franken. Mittlerweile ist die Rebfläche gewachsen. Winzer Markus Frei und sein Team kultivieren auf 1100 Aren zehn verschiedene Rebsorten und übergeben die Trauben für die Lohnkelterung an die Volg-Weinkellereien sowie Rutishauser Barossa. Ab Herbst 2018 vinifizieren sie den Engelwy selbst.

Gemäss Markus Frei wird bereits heute ein Drittel des Weins direkt ab Betrieb verkauft. «Wir freuen uns, nicht mehr nur die Trauben zu pflegen, sondern ihnen auch eine eigene Note zu geben.» Man gehe von einer jährlichen Menge von 70000 Kilogramm aus. Jetzt sei man auf der Suche nach einem eigenen Kellermeister. «Ein wichtiges Kapitel wurde aufgeschlagen», sagt Gemeindepräsidentin Elisabeth Engel und bezeichnet den Bau als mutiges Zeichen in der heutigen Zeit. Sie freue sich auf das erste Glas aus der neuen Kellerei.