UESSLINGEN: Hündeler ziehen Richtung Westen

Seitdem in der Grossen Allmend Frauenfeld die neue Benutzerordnung gilt und Hunde an die Leinen müssen, steigt der Unmut im Nachbarort Uesslingen. Überfüllte Wege und Parkplätze sowie mehr Abfall – die Gemeinde schaut vorerst zu.

Samuel Koch
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Hündeler und andere Naturfreunde bewegen sich seit den neuen Regeln auf der Grossen Allmend vermehrt auf dem Thurverlauf bei Uesslingen. (Bild: Andrea Stalder)

Hündeler und andere Naturfreunde bewegen sich seit den neuen Regeln auf der Grossen Allmend vermehrt auf dem Thurverlauf bei Uesslingen. (Bild: Andrea Stalder)

UESSLINGEN. Es verlagert sich von der Stadt aufs Land und zieht grössere Kreise – das Thema rund um die Hündeler von der Grossen Allmend in Frauenfeld. Seit die neue Benutzerordnung Anfang März eingeführt wurde und strengere Regeln für Hundeführer und ihre Vierbeiner vorschreibt, zieht es viele entlang der Thur abwärts Richtung Uesslingen.

«Seitdem in der Grossen Allmend die neuen Regeln gelten, findet ganz klar eine Verdrängung statt», sagt Tom Brechet. Er hat selber zwei Hunde und ist der Initiator der Facebook-Gruppe «Allmend Frauenfeld offen für alle». Brechet war mit seinen zwei Whippets Timmy und Bilbo oft selbst auf dem Waffenplatz in Frauenfeld unterwegs. Mit einer Online-Petition – Brechet hat bereits über 1000 Unterschriften gesammelt – möchte er die Politik zum Handeln bewegen.

Uesslingens anonymer Kritiker

Dass wegen der neuen Leinenpflicht mehr Hündeler nach Uesslingen oder Felben ausweichen, überrascht ihn nicht. «Diese Entwicklung hat sich abgezeichnet», sagt er. Das Bedürfnis, mit seinen Hunden entlang der Thur spazieren zu gehen, sei weiterhin da. Auch deshalb hat ihn jemand aus Uesslingen gebeten, in seiner Facebook-Gruppe ein Mahnschreiben «im Namen vieler Uesslinger Thur-Spaziergänger» zu veröffentlichen. Sie hätten es bisher in Uesslingen sehr friedlich gehabt, jeder kannte jeden. «Nun hat sich das leider seit einigen Wochen stark geändert», schreibt der anonyme Verfasser. Uesslingen sei überfüllt, alles zugeparkt – man parkiere sogar auf der Wiese. Zudem würden sie täglich Zigarettenstummel, andere Abfälle und auch Hundekot zusammennehmen. «Das geht in Uesslingen nicht!», schreibt er weiter. Die Gemeinde Uesslingen-Buch habe bereits ein Auge auf die Angelegenheit geworfen. Zudem sei bereits die Rede einer Leinenpflicht wie schon auf der Grossen Allmend und auch im Nachbarkanton Zürich (siehe Kasten). Deshalb bittet der Verfasser: «Liebe Allmendler, strengt Euch bitte etwas an und haltet Euch an die Regeln. Es kann und darf nicht sein, dass uns auch Uesslingen genommen wird», nur weil sich viele Zwei- und Vierbeiner nicht an die Regeln hielten.

Bisher keine offizielle Klage

Auf der Gemeindeverwaltung in Uesslingen weiss man von der zunehmenden Problematik mit den Hündelern, wie Gemeindepräsidentin Elisabeth Engel bestätigt. «Ich kenne Reklamationen nur vom Hörensagen», sagt Engel und bestätigt, dass auf dem Gemeindegebiet entlang der Thur und am Iselisberg viele Hündeler unterwegs seien. «Bisher sind jedoch keine offiziellen Klagen bei uns eingegangen», sagt sie. Der Zuwachs seit der eingeführten Leinenpflicht im Kanton Zürich sei deutlich grösser gewesen als jetzt wegen der Grossen Allmend. Sie habe aber Verständnis, dass sich die Hundebesitzer neue Wege suchen, auf denen sie ihre Hunde frei laufen lassen können.

Hundebesitzer Tom Brechet bläst ins gleiche Horn. «Die Hunde brauchen ein Gebiet, wo sie sich frei bewegen können», sagt er. Mit dem Waffenplatz sei ihnen ein zentraler Ort dafür weggenommen worden. Zwar sei er seither mit seinen Whippets hin und wieder in der Grossen Allmend unterwegs gewesen. «Überall dort, wo keine Leinenpflicht herrscht, ist kein Fahrverbot», sagt Brechet und ergänzt: «Die Hündeler gehen grösstenteils gar nicht mehr in die Grosse Allmend.» Bei der ganzen Thematik geht es Brechet nicht mehr nur um die Freiheit der Hündeler und ihrer Vierbeiner, er wehrt sich generell gegen Regulierungen. «Irgendwann ist alles verboten – und das wäre sehr schade.»

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