ÜBERWACHUNG: Weniger Schäden dank Kameras

Der Thurgau rüstet auf. Aus gutem Grund: Die Erfahrung zeigt, Videokameras schrecken böse Buben ab. Staatsanwälte verwenden vermehrt die Aufnahmen von Bahnhöfen und aus Zügen für ihre Ermittlungen.

Ida Sandl
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Bahnhof Frauenfeld: Man muss schon genau gucken – neben den Scheinwerfern sind ein paar Überwachungskameras montiert. (Bild: Andrea Stalder)

Bahnhof Frauenfeld: Man muss schon genau gucken – neben den Scheinwerfern sind ein paar Überwachungskameras montiert. (Bild: Andrea Stalder)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Big Brother war gestern. Heute ist die Videokamera die Verbündete aller Frauen und Männer, die abends mit einem mulmigen Gefühl unterwegs sind. Beispiel Bahnhof: «Bahnhöfe sind Ballungspunkte», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. Menschen kommen an, fahren ab. Nicht alle haben Gutes im Sinn. Heute seien Bahnhöfe aber so sicher wie jeder andere Platz, sagt Ginsig. Das liegt auch an der Videoüberwachung.

Im Frauenfelder Bahnhofareal sind acht Kameras montiert. So viele wie sonst nirgends in der Hauptstadt. Werner Spiri ist in Frauenfeld für die Sicherheit zuständig. Er sagt: «Wir hatten vor ein paar Jahren dort Probleme.» Es gab Belästigungen, Diebstähle, den Leuten war es nicht mehr wohl rund um den Bahnhof. Die Stadt setzt jetzt auf eine Zusammenarbeit mit Kantonspolizei und privaten Sicherheitsfirmen. Das funktioniere sehr gut. Ergänzend kommt die Videoüberwachung hinzu. Mit Erfolg.«Inzwischen ist es ruhig geworden», sagt Spiri.

Statt der öffentlichen Hand zahlen die Täter

In Kreuzlingen werden mittlerweile alle Schulstandorte mit Video überwacht. «Die Vandalenakte sind eindeutig zurückgegangen», sagt Schulpräsident René Zweifel. Leicht habe man sich den Entscheid aber nicht gemacht. «Die Behörde hat vor der Installation sehr intensiv darüber diskutiert.»

Selbst nachdem etwas passiert ist, dürfen nur Schulpräsident, Schulleiter und der Hauswart die Bilder sichten. Ansonsten werden die Filme nach zwei Wochen automatisch gelöscht. «Es geht uns nicht darum, jemanden zu kontrollieren», stellt Zweifel klar. Doch seit die Kameras über das Schulareal wachten, bliebe kein Vandalenakt ungestraft. Ausserdem spart die Schule Kosten. Eine verunstaltete Hauswand zahlt dann nicht die Allgemeinheit, sondern derjenige, der sie beschmiert hat oder seine Versicherung.

In den Kreuzlinger Stadtbussen kam es immer wieder zu sinnloser Zerstörungswut. Seit es in den Bussen Kameras gibt, werden weniger Sitze zerschnitten oder Chauffeure angepöbelt. «Das ist drastisch zurückgegangen», sagt Stadtrat Thomas Beringer.

Fast alle befragten Gemeinden melden weniger Schäden, nachdem Kameras installiert wurden. «Das hat eine sehr gute abschreckende Wirkung», sagt der Steckborner Stadtpräsident Roger Forrer. Etwa zehn Kameras befinden sich auf dem öffentlichen Raum von Steckborn, rund um die Schulhäuser, in öffentlichen Toilettenanlagen und beim Entsorgungsplatz. Die Kameras helfen auch dabei, die bösen Buben zu finden. Fünfmal wurden Täter in Steckborn aufgrund von Videomaterial überführt, in Kreuzlingen bisher acht- bis zehnmal.

Selbst bei Maskierten gibt es Hinweise

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft nutzen das Potenzial der Kameras. Deutlich über 3000 Anfragen aus der ganzen Schweiz treffen pro Jahr bei den SBB ein. Tendenz steigend. Die Ermittler interessieren sich für Aufnahmen von gewissen Orten zu bestimmten Zeiten. Die Anforderungen für die Herausgabe sind aber streng. «Das geht nur auf Antrag der Staatsanwaltschaft», sagt SBB-Mediensprecher Ginsig.

Die Thurgauer Kantonspolizei führt keine Statistik, wie oft Videos dabei helfen, Straftäter zu überführen. Neben vielen anderen Faktoren sei das Videomaterial aber hilfreich für die Aufklärung von Straftaten, sagt Mediensprecher Matthias Graf. Das gilt sogar, wenn die Täter maskiert sind: «Gewisse Hinweise ergeben sich aus den Aufnahmen trotz Masken.»

Auch private Hausbesitzer rüsten zunehmend mit Kameras auf. Mit dem Effekt, dass es jetzt ab und zu auch nach Wohnungseinbrüchen ein Video von den Tätern gibt.