Überteuerte oder geschätzte Fachkräfte

Linke und Grüne fordern vom Thurgauer Regierungsrat mehr Unterstützung für ältere Arbeitslose über 55 Jahren. Die BDP legt ein Sieben-Punkte-Programm vor. Laut Wirtschaftsvertretern haben Firmen Mühe, Fachkräfte an der vorzeitigen Pensionierung zu hindern.

Thomas Wunderlin
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Turi Schallenberg zeigt, wie älteren Arbeitslosen zu helfen ist. (Bild: Reto Martin)

Turi Schallenberg zeigt, wie älteren Arbeitslosen zu helfen ist. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Thurgau hat das Problem der älteren Arbeitslosen nicht erkannt, findet Turi Schallenberg (SP, Bürglen). Um ihn zu sensibilisieren, beantragte er Diskussion seiner Interpellation «Massnahmen für Erwerbslose 55+». Der Grosse Rat stimmte grossmehrheitlich zu. Laut FDP-Regierungsrat Kaspar Schläpfer ist grundsätzlich der Bund zuständig, da er den Kantonen vor zwanzig Jahren die Kompetenzen im Bereich Arbeitslosigkeit weggenommen hat.

Nicht alle beim Kanton

Gina Rüetschi (GP, Frauenfeld) fand eine spezielle Unterstützung gerechtfertigt, da die Kantonsverwaltung nicht allein alle älteren Arbeitslosen anstellen könne. Die Älteren seien einfach zu teuer, sagte Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld): «Die Arbeitgeber rechnen eiskalt.» Er legte ein Sieben-Punkte-Programm vor, darunter einen verstärkten Kündigungsschutz, der laut Schläpfer kontraproduktiv wirkt. Gemäss Hansjörg Haller (EVP, Hauptwil) scheuen sich ältere Arbeitnehmer oft, eine Pensenreduktion zu verlangen. Sie fürchteten, bei der nächsten Restrukturierung auf der Strasse zu landen. Er forderte das Wirtschaftsamt auf, das Problem anzugehen. Die übrigen Fraktionen verzichteten meist auf Forderungen. Ein Mentoring-Programm, wie es Schallenberg vorschlug, fand bei Marlise Marazzi (FDP, Kreuzlingen) Anklang. Sie appellierte aber an die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer; sie sollten etwa ihre Deutschkenntnisse verbessern. «Ältere Arbeitslose verbauen sich mit horrenden Lohnforderungen ihre Zukunft», sagte Diana Gutjahr (SVP, Amriswil). In den nächsten zehn Jahren werden laut Alex Frei (CVP, Eschlikon) über eine Million Angestellte pensioniert: «Viele Unternehmen haben die zunehmende Bedeutung älterer Arbeitnehmer offensichtlich noch nicht erkannt.»

Bis 68 weiterarbeiten

Im Verwaltungsrat der Bischofszeller Nahrungsmittel AG, wo Jürg Wiesli (SVP, Dozwil) die Arbeitnehmer vertritt, geht es nicht darum, ältere Arbeitnehmer zu entlassen, sondern zu halten. Um den Wissenstransfer zu sichern, sollten manche bis 68 arbeiten. «Wir wären ja Idioten», sagte Hermann Hess (FDP, Amriswil), «wenn wir 55jährige wegschicken würden, nur weil wir höhere Pensionskassenbeiträge für sie zahlen.»

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