ÜBERSICHT DER ZONEN FÜR MATZINGER GEWERBE UND INDUSTRIE: Exodus droht

Die Gemeinde boomt, Kräne da, Baustellen dort. Trotzdem ziehen einzelne Industrieunternehmen in die Nachbargemeinden. Der Grund ist ein Mangel an Industrieland. Eine Lösungsidee liegt bereit.

Samuel Koch
Drucken
Teilen

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Wer nichts hat, kann nichts geben. Und so kehrten zuletzt einige Firmen der Gemeinde Matzingen den Rücken. Ein lokales Maschinenbauunternehmen, das in den 60er-Jahren gegründet wurde und kürzlich expandieren wollte, fand zwar zwischenzeitlich an einem anderen Standort an der St.-Galler-Strasse einen Firmensitz. «Sie wollten aber noch weiterwachsen und sind schliesslich nach Aadorf gezogen», sagt Gemeindepräsident Walter Hugentobler. Der Wermutstropfen ist noch etwas grösser, denn für das Unternehmen hatte die Planungskommission der Gemeinde extra die Zone Ziegelhütte reserviert. Mittlerweile hat sich dort jedoch mit der Eröffnung eines Granitwerks und 40 neuen Arbeitsplätzen eine andere Lösung ergeben.

Dass Firmen aus Matzingen aufgrund fehlenden Industrielands wegziehen, ist kein Einzelfall. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Schreinerei Wüthrich, gegründet in den 70ern, ebenfalls nach Aadorf zieht. Der Grund für den drohenden industriellen Exodus ist der Mangel an Industrieland, wie Hugentobler sagt, es sind nicht etwa überteuerte Bodenpreise. «Wir bedauern den Wegzug sehr, aber wir sind ausgeschossen an Industrieland», ergänzt er. Die Gemeinde sei mit der Firma lange im Gespräch gewesen. Aber Hugentobler hat auch Verständnis, dass mit dem jetzigen Standort an der Frauenfelderstrasse wegen der Gleise der Frauenfeld-Wil-Bahn kein Wachstum möglich sei. Nur an der St.-Galler-Strasse hinter der Spenglerei Minder Carrosserie befindet sich noch frei bebaubares Land, das sich aber in Privateigentum befindet. Am Dorfausgang Richtung Frauenfeld hat die Gemeinde zudem eine Parzelle unbewirtschaftet belassen, um Platz für eine mögliche Umfahrungsstrasse zu haben.

Im Gegensatz zur Exodus-Gefahr gibt es aber auch gütliche Lösungen mit der Gemeinde. So hat der Softwareentwickler KMS an der Aadorferstrasse ebenfalls ausbauen wollen. «Sie sagten aber auch, dass sie in Matzingen bleiben wollen», sagt Hugentobler. Schliesslich konnte die Firma auf der Parzelle in der Dorfkernzone Land eines Nachbarn erwerben und hat dort ein neues Bürogebäude gebaut und damit eine Lösung gefunden.

Mögliche Umzonung nahe der Autobahn

Unabhängig weiterer Erfolgs- oder Wegzugsbeispiele wünscht die Gemeinde ein weiteres Stück Industrieland einzuzonen. «Die Planungskommission ist seit längerem mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung im Gespräch für eine Umzonung», sagt Hugentobler. Ziel ist es, zum Beispiel am südlichen Dorfausgang zwischen Murg und Autobahn A1 eine Fläche Landwirtschaftsland als Industrieland zu gewinnen. «Es wäre ein optimaler Standort direkt an der Autobahn ohne Mehrverkehr im Dorfzentrum», meint Hugentobler. Es sei die einzige Lösung, dass auch in Zukunft Industriefirmen, die entweder übers kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit oder direkt bei der Gemeinde anfragen, sich in Matzingen niederlassen oder ihren Geschäftssitz ausbauen können.

Hugentobler weiss aber gleichzeitig auch, dass Landwirtschaftsland aktuell streng geschützt werde. «Auch deshalb hat sich das Schweizer Volk am vergangenen Sonntag für die Ernährungssicherheit ausgesprochen», sagt er. Sollte der Kanton dennoch grünes Licht geben, müssten der Umzonung auch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Gemeindeversammlung zustimmen.