Übers Notarbüro in den Chor

Ein ganzes Jahrhundert alt ist er, der Männerchor Buch. Und hat heutzutage so viele und junge Sänger wie noch nie. Das wird kommendes Wochenende mit einem dreitägigen Dorffest auf dem Hirschenplatz in Buch gebührend gefeiert.

Mathias Frei
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BUCH. «Sodeli, jetzt bist du im Männerchor dabei.» Mit Vorladungen in sein Notar- und Grundbuchverwalterbüro soll Josef Harder in den Anfangszeiten des Männerchors Buch Sänger rekrutiert haben. Das erzählt sein Enkel Peter A. Roos, OK-Präsident des Jubiläumsfests. Damals sei aus jedem Haushalt mindestens ein Mann dabei gewesen – viele Bauern, der Metzger, der Käser, der Förster und der Lehrer, der Dirigent war, weil er als einziger Noten lesen konnte.

Tricks wie vor hundert Jahren hat der Männerchor heute nicht mehr nötig. Wie Patrik Schedler, zuständig für die Kommunikation des Vereins, erklärt, zählt der Chor heute 40 Sänger, die zwischen 24 und 78 Jahre alt sind. «So viele wie noch nie seit der Gründung 1915.»

Wichtig fürs Dorf

Der Männerchor: Das ist auch Dorfidentität und -kultur seit hundert Jahren. «Wir waren der einzige Verein in Buch und auch eine Art Ergänzung zum Turnverein in Uesslingen», erzählt Roos. Geprobt wurde schon immer im Schulhaus, im alten, wo heute der Dorfladen ist, und im neuen, das aber mittlerweile geschlossen ist. Damit die öffentliche Nutzung des Schulhauses erhalten bleibt, wollen die Sänger zukünftig bei der Bürgergemeinde ihr Probelokal mieten. Immer am Mittwochabend, «mit Verlängerung», meint Roos lachend. Es habe Zeiten gegeben, da seien einzelne von der Probe direkt in den Stall gegangen am nächsten Morgen. Auch heute noch werde im Männerchor politisiert, durch alle Couleurs. Und schon immer gingen die Sänger gerne jedes Jahr auf Reisen. Für die Bauern war das oft die einzige Gelegenheit, aus dem Dorf zu kommen. Roos erinnert sich an Moskau 1992, als Jelzin an die Macht kam, und das gebuchte Hotel plötzlich nicht mehr verfügbar war. Oder Tallinn im vergangenen Jahr, als der Männerchor mit dem besten Chor Estlands auftrat.

Zurück in Buch ist die Abendunterhaltung der alljährliche Fixpunkt – und die Haupteinnahmequelle. Früher fand sie im «Hirschen» statt. Die Schauspieler mussten über ein Fenster in die Garderobe klettern. Heute feiert man in der Buchemer Turnhalle. Die drei Unterhaltungsabende seien stets ausverkauft, sagt Roos. «Wir könnten problemlos grössere Säle füllen. Aber wir bleiben in Buch.»

Dynamisch statt verstaubt

Allerorten haben Männerchöre Nachwuchsprobleme. Nicht so in Buch, wo vergangenes Jahr insgesamt neun junge Sänger beigetreten sind. «Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass ein Männerchor nicht verstaubt sein muss», sagt Schedler. «Wir sind ein dynamischer Verein mit guter Kameradschaft, wo jeder jeden respektiert.» So ward möglich, dass im kleinen Buch seit 1952 schon vier Sängertage stattfinden konnten. Und gesanglich halte man ebenfalls mit, hole an Wettbewerben immer wieder ein «sehr gut» oder gar «vorzüglich», sagt Roos.

Der erfrischend offene Geist des Vereins zeigt sich denn auch am Jubiläumsfest. Patrik Schedlers Schwester, die Künstlerin Cornelia Schedler, zeichnet für das beeindruckende Bühnenbild im Festzelt verantwortlich. Und auf der Bühne steht unter anderem der Schmaz (Schwuler Männerchor Zürich).