Überflieger seit 1934

Seit 80 Jahren gibt es in Frauenfeld einen Modellflugverein. Gegründet wurde er von Hermann Sigg. Der Verein brachte in den 1960er Jahren gar einen Weltmeister hervor. Am Wochenende stellen die Aviatiker ihre Modelle aus.

Markus Zahnd
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Modelldüsenjet im Tiefflug über der Grossen Allmend. Im Hintergrund dampft die Zuckerfabrik. (Bild: Christian Joos/Modellflugverein Frauenfeld)

Modelldüsenjet im Tiefflug über der Grossen Allmend. Im Hintergrund dampft die Zuckerfabrik. (Bild: Christian Joos/Modellflugverein Frauenfeld)

FRAUENFELD. Die Brüder Wright gelten als die Luftfahrtpioniere schlechthin. Sie führten Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Flüge mit Gleitflugzeugen und dann gesteuerte Flüge mit einem motorisierten Flugzeug durch. Auch Hermann Sigg aus Frauenfeld war in der Fliegerei ein Pionier. Sigg beschäftigte sich in seiner Freizeit leidenschaftlich mit dem Segelfliegen. Ein Pionier wurde er spätestens im Jahr 1934, als er in Frauenfeld die erste Segelfluggruppe im Kanton Thurgau gründete. Aus dieser Gruppe entstand ein Jahr danach die Modellfluggruppe.

Der Verein – er heisst seit acht Jahren Modellflugverein Frauenfeld – feiert heuer sein 80jähriges Bestehen. An diesem Wochenende organisiert der Verein deshalb in der Festhalle Rüegerholz zum viertenmal eine grosse Modellflugausstellung.

Seit der Kindheit fasziniert

Albert Tanner ist OK-Präsident der Ausstellung. Der pensionierte Polizist ist seit seiner Kindheit fasziniert von der Fliegerei. «In der Primarschule organisierte unser Lehrer Modellbaukurse, seither bin ich vom Aviatik-Virus befallen», sagt Tanner. Auch wenn sein Hobby zwischendurch wegen anderer Prioritäten ein wenig in den Hintergrund rückte, war er stets begeistert von der Fliegerei. Seit 1977 ist er Mitglied des Modellflugvereins und war insgesamt zwölf Jahre dessen Präsident. Am Modellfliegen besonders interessant findet Tanner die Vielfalt: «Anhand von Bauplänen fertigt man den Flieger selbst an, man hat mit verschiedenen Materialien zu tun und man ist letztlich auch in der Natur.»

Gerade die Technik hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Das betrifft sowohl das Material der Flieger als auch die Fernsteuerungen. Und seit rund 15 Jahren können in vielen Geschäften bereits fast komplett fertige Modelle gekauft werden. Tanner sieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese Entwicklung: «Ich finde es schade, dass der eigentliche Modellbau so etwas in den Hintergrund gerückt ist. Der Vorteil aber ist, dass die Modellfliegerei dadurch zuletzt einen richtiggehenden Boom erlebt hat.»

Eigene Piste auf der Allmend

Von diesem Boom hat auch der Modellflugverein Frauenfeld profitiert. In den Anfangsjahren war es eher schwierig, neue Mitglieder zu finden. Mittlerweile zählt der Verein über 100 Mitglieder, 15 davon sind Junioren. Überhaupt sei die Altersdurchmischung gut, sagt Tanner. Ein weiterer Faktor für den Mitgliederzuwachs ist die Hartbelagspiste auf der Grossen Allmend, welche 1984 eingeweiht wurde.

Einige Mitglieder nehmen auch regelmässig an Wettkämpfen teil. Wie in der Festschrift zum 80-Jahr-Jubiläum – diese wurde auch von Albert Tanner verfasst – zu lesen ist, stellte der Verein einmal gar einen Weltmeister. 1961 gewann Fritz Schneeberger den Titel für freifliegende Motormodelle. Es gibt aber noch weitere Wettkampfarten. Bei den Segelfliegern geht es beispielsweise ums Distanz- oder Zielfliegen, mit den Motorfliegern müssen bestimmte Kunstfiguren gezeigt werden.

Ein stets aktiver Verein

Trotz den technischen Veränderungen ist es dem Modellflugverein in den vergangenen 80 Jahren stets gut gegangen. Das habe auch damit zu tun, dass der Verein immer aktiv gewesen sei, sagt Tanner. So gibt es in Frauenfeld diverse Flugveranstaltungen, und mit dem Bau des Clublokals entstand auch ein regeres Clubleben. Zu verdanken ist das letztlich alles Hermann Sigg, dem Flugpionier aus Frauenfeld.

Albert Tanner OK-Präsident Modellflugausstellung (Bild: Markus Zahnd)

Albert Tanner OK-Präsident Modellflugausstellung (Bild: Markus Zahnd)