Über die Kunst des Neuanfangs

Aus Schaden wird man klug, heisst es. Ist die Thurgauer Regierung nach dem Reinfall mit dem ersten Kunstmuseum-Projekt klüger geworden? Was das Vorhaben als solches betrifft, zweifellos. Hingegen sind beim generellen Problembewusstsein Fragezeichen angebracht.

Christian Kamm
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Aus Schaden wird man klug, heisst es. Ist die Thurgauer Regierung nach dem Reinfall mit dem ersten Kunstmuseum-Projekt klüger geworden? Was das Vorhaben als solches betrifft, zweifellos. Hingegen sind beim generellen Problembewusstsein Fragezeichen angebracht.

So löblich es ist, nochmals über die Bücher zu gehen und alles vorbildlich machen zu wollen – mit klarem Projektauftrag, Architekturwettbewerb und Entflechtung der Zuständigkeiten zwischen Kanton und der Stiftung Kartause Ittingen. So fragwürdig ist es umgekehrt, auch in diesen Neustart bei der Standortfrage bereits wieder ein «fait accompli» einzubauen: Kein geeigneter Ort. Nirgends. Ausser Ittingen.

Ein Neustart, der ernst genommen werden will, darf keine Tabus kennen. Er kennt auch keine persönlichen Verbindlichkeiten oder Voreingenommenheiten. Deshalb gehört die Frage nach dem besten Standort für ein künftiges Thurgauer Kunstmuseum nochmals auf den Tisch. Die Kartause Ittingen mag unbestreitbare Vorteile haben. Ob sie unschlagbar sind, müsste sich aber in einer ergebnisoffenen und transparenten Ausmarchung erst noch weisen. So wie ein Museum nicht per se nur im weltabgeschiedenen Ittingen gedacht werden kann, gäbe es in der Kartause umgekehrt auch ein Leben ohne das Kunstmuseum.

Der Kanton Thurgau gilt als Kanton der kurzen Wege. Und man ist stolz darauf, dass hier noch jeder jeden kennt. Was den gescheiterten ersten Anlauf für ein zukunftsfähiges Thurgauer Kunstmuseum betrifft, könnten diese kurzen Wege für einmal sogar zu kurz gewesen sein.

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch