Über das Erlebte sprechen

Im Rahmen seiner Maturaarbeit drehte der 20jährige Jann Kessler aus Felben einen Film über Multiple Sklerose. Da der Film so gut ankam, kommt heute eine überarbeitete Version in die Kinos, so auch ins Cinema Luna. Gewidmet ist das Projekt seiner Mutter, die selbst von der Krankheit betroffen ist.

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Jann Kessler Regisseur, Produzent und Angehöriger (Bild: Marion Wehrli)

Jann Kessler Regisseur, Produzent und Angehöriger (Bild: Marion Wehrli)

Im Rahmen seiner Maturaarbeit drehte der 20jährige Jann Kessler aus Felben einen Film über Multiple Sklerose. Da der Film so gut ankam, kommt heute eine überarbeitete Version in die Kinos, so auch ins Cinema Luna. Gewidmet ist das Projekt seiner Mutter, die selbst von der Krankheit betroffen ist.

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem ursprünglichen und dem neuen Film?

Aus technischer Sicht ist der Film komplett neu geschnitten. Auch inhaltlich hat sich einiges geändert. Die Geschichten der sechs Porträtierten waren einzelne, lose Fäden, die nun besser verwoben sind.

In welchen Kinos wird der Film gezeigt?

Schweizweit sind es schon über 25 Kinos. In einigen wird der Film jetzt schon gezeigt, in anderen erscheint er erst später.

Wie steht Ihre Familie zu Ihrem Projekt?

Natürlich ist es für sie nicht einfach, da es ein sehr persönliches Thema ist, das nun in die Öffentlichkeit gelangt. Dennoch hat mich meine Familie immer unterstützt und mir viel Energie gegeben. Meine Schwester hat mir zum Beispiel bei der Musik zum Film geholfen.

Konnten Sie durch den Film die Krankheit Ihrer Mutter verarbeiten?

Ich denke, Verarbeitung ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist. Aber durch mein Projekt konnte ich die Krankheit akzeptieren und meine Mutter auch so annehmen, wie sie durch die Krankheit wurde. Natürlich hätte ich als Kind lieber eine Mama gehabt, die sich um uns kümmern kann, aber jetzt darüber nachzudenken bringt nichts. Schliesslich kann man die Dinge nicht ändern.

Was würden Sie anderen Kindern raten, deren Eltern an Multipler Sklerose leiden?

Sie sollten über das Erlebte sprechen und nicht denken, dass sie sich dieser Situation alleine stellen müssen. Die Überforderung, die man als Angehöriger bei einer solchen Krankheit erlebt, sollte mit der Familie bewältigt werden. Es lohnt sich, sich diesem Kampf gemeinsam zu stellen. (mwe)

Die Premiere ist heute um 20 Uhr im Cinema Luna in Frauenfeld. Filmemacher Jann Kessler wird anwesend sein.