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U-Boot bringt Touristen zu Hügeln

Künftig können Interessierte die Unterwasserwelt des Bodensees aus Bullaugen betrachten. Mit einem U-Boot tauchen sie ab zu archäologischen Sehenswürdigkeiten wie Pfahlbauten und dem mysteriösen Unterwasser-Stonehenge. Auch Wracks können bestaunt werden.
Inge Staub
Blick ins Innere eines Touristen-U-Bootes. Ein Boot mit einer solchen Ausstattung könnte auch im Bodensee zum Einsatz kommen. (Bild: pd)

Blick ins Innere eines Touristen-U-Bootes. Ein Boot mit einer solchen Ausstattung könnte auch im Bodensee zum Einsatz kommen. (Bild: pd)

FRAUENFELD. In den 60er-Jahren tauchte erstmals ein Touristen-U-Boot in einem Schweizer See ab. Der Ozeanologe Jacques Piccard machte dies für die Landesausstellung «Expo 1964» möglich. Mit der «Auguste Piccard» führte er 33 000 Passagiere auf den Grund des Genfersees. Seit kurzem befördert ein U-Boot erfolgreich Gäste am Thunersee zum Wrack des Dampfschiffes «Bellevue». Solche Erlebnisse sollen nun auch im Bodensee möglich sein. Regierungsrätin Carmen Haag, Mitglied des Expo-Steuerungsausschusses, bestätigt, dass für die Expo 2027 Unterwasserausflüge vorgesehen sind. «Von U-Boot-Fahren werden der Tourismus im Kanton und auch die Ostschweizer Expo profitieren», ist Carmen Haag überzeugt.

Bereits wurde eine Projektgruppe eingesetzt, die Details wie Kosten und Umsetzung erarbeitet. Projektleiter ist Matthias Zellweger. Der Thuner Architekt war die treibende Kraft hinter der U-Boot-Idee auf dem Thunersee. «Unser Modell kann problemlos auf den Bodensee übertragen werden», sagt Zellweger. «Das U-Boot ermöglicht den Passagieren dank modernen Lichtquellen einen einmaligen Blick in eine weitgehend unbekannte Unterwasserwelt», schwärmt Zellweger.

Blick ins Innere eines Touristen-U-Bootes. Ein Boot mit einer solchen Ausstattung könnte auch im Bodensee zum Einsatz kommen. (Bild: pd)

Blick ins Innere eines Touristen-U-Bootes. Ein Boot mit einer solchen Ausstattung könnte auch im Bodensee zum Einsatz kommen. (Bild: pd)

Lienhard ist Investor

Als Investor ermöglicht das Projekt namens «Nautilus» der Thurgauer Unternehmer Fredy Lienhard. «Es gibt noch weitere Geldgeber, die im Moment nicht genannt werden wollen», sagt Lienhard. Der Autobau-Inhaber ist fasziniert von der Beförderung unter Wasser. Kürzlich hat er im Verkehrshaus in Luzern die «Auguste Piccard» in Augenschein genommen. «Es ist sehr beeindruckend, was Piccard mit diesem U-Boot geleistet hat.» Lienhard verweist auf andere Ferienregionen. In der Karibik, im Roten Meer, in Mexiko oder auf den Pazifischen Inseln seien U-Boot-Fahrten schon seit längerem touristische Attraktionen. Die Initianten streben an, das Projekt weitgehendst privat zu finanzieren.

Sobald die Finanzierung steht, soll der Bau des Bodensee-U-Boots in Auftrag gegeben werden. Wie Matthias Zellweger sagt, würde das U-Boot rund zehn Millionen Franken kosten. Die Betriebskosten beliefen sich auf jährlich rund eine Million Franken. Die «Nautilus» soll mit Solarstrom betrieben werden.

Das U-Boot könnte zwischen 24 und 32 Personen befördern. Die «Auguste Piccard» war für 40 Personen gebaut worden, ist 180 Tonnen schwer und konnte bis in eine Tiefe von 610 Metern tauchen. Das Thuner U-Boot befördert 32 Personen und taucht bis auf den Grund des Thunersees, das sind 217 Meter.

Unsichtbares wird sichtbar

Schon in fünf Jahren soll ein Unterwasserfahrzeug seine Fahrt im Bodensee aufnehmen. So haben die Initianten genügend Zeit, den See im Vorfeld der Expo 2027 auf anfahrbare Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Auch das kantonale Amt für Archäologie sitzt mit im Boot. Die Thurgauer Archäologen werden bei der Erstellung der Unterwasser-«Reiseroute» mitwirken. Archäologin Simone Benguerel sagt: «Eine Fahrt mit einem U-Boot ist eine interessante Möglichkeit, Unsichtbares sichtbar zu machen.» An möglichen archäologischen Sehenswürdigkeiten nennt sie die Pfahlbauten, den Mäuseturm vor Güttingen, die Steinhügel oder diverse Schiffswracks.

Für 80 Franken könnten Touristen und interessierte Thurgauer abtauchen. In einer Tiefe von 149 Metern würden sie vor Münsterlingen im Licht der U-Boot-Spots das Wrack der «Jura» bestaunen können. Vor 150 Jahren war der Dampfer von der «Stadt Zürich» gerammt worden, während sich beide Schiffe durch den Nebel kämpften.

Zwischen Bottighofen und Romanshorn würde das U-Boot über den mysteriösen Steinhügeln schweben, die Archäologen noch immer Rätsel aufgeben. Das geheimnisvolle Unterwasser-Stonehenge umfasst über hundert auffallend gleichmässig angeordnete Hügel. Dies etwa 250 Meter vom Ufer entfernt.

Den Säntis im Hintergrund: So könnte ein U-Boot im Bodensee abtauchen. (Bild: Fotomontage: sgt)

Den Säntis im Hintergrund: So könnte ein U-Boot im Bodensee abtauchen. (Bild: Fotomontage: sgt)

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