TUTTWIL: Die letzte Beiz macht dicht

Das Restaurant Krone steht vor dem Aus. Ab dem 30. Juni bleiben die Türen des legendären Gasthauses für immer geschlossen. Die Besitzerfamilie konnte keinen geeigneten Nachfolger finden.

Kurt Lichtensteiger
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Schon lange ist es her, als in Tuttwil noch vier Restaurants im Telefonbuch aufgeführt waren. Am längsten überlebte die «Krone», die schon im Jahre 1870 als Gaststube, Bäckerei und Laden zur Einkehr und Versorgung der ländlichen Bevölkerung diente.

Nun soll aber auch diese Ära ein Ende finden. «Das Restaurant wird am 30. Juni seinen Betrieb einstellen», sagt Susi Ziegler im Namen der Besitzerfamilie. «Der Schritt ist uns schwer gefallen.» Sich von den Stammgästen zu trennen, fiel nicht leicht. «Es ist ein Vernunftentscheid und das Resultat einer Prüfung verschiedener Varianten.» Seit sechs Jahren haben die Besitzer das Restaurant an die Tobler Biervertrieb AG vermietet. Diese hat die Gastwirtschaft dann weitervermietet. «Eine geeignete Nachfolgeregelung konnte leider nicht erreicht werden, obschon danach intensiv Ausschau gehalten wurde.»

Wie es mit dem Gebäude weitergehen wird, steht noch offen. Vorgesehen ist der Einbau einer Wohnung oder von Studios, doch für Detailprojekte ist es noch zu früh. Sicher ist nur: Ein Restaurant gibt es nicht mehr. «Leerstehen wird das Gebäude aber sicher nicht», beteuert Susi Ziegler.

Verändertes Konsumverhalten

Susi Ziegler hat vor noch nicht langer Zeit den Wirtefachkurs absolviert und das Wirtepatent erworben. Die inzwischen pensionierte Aadorferin weiss, was es heisst, ein Restaurant erfolgreich zu führen: «Herzblut allein genügt nicht. Es braucht gastronomische Kenntnisse, ökonomisches Denken, Managerqualitäten und ein Flair für die Gäste, um auf einen grünen Zweig zu kommen.» Es sei im heutigen Umfeld besonders schwierig, Ertrag und Aufwand im Gleich- gewicht zu halten, ganz zu schweigen davon, bei einem vertretbaren zeitlichen Aufwand gewinnbringend zu arbeiten. «In dieser Beziehung machen sich manche Quereinsteiger falsche Vorstellungen», so Ziegler.

Nicht zuletzt fehle es bei anvisierten Übernahmen häufig auch am nötigen Startkapital. «Dieses Manko ist in unserem Fall schliesslich ausschlaggebend gewesen, nachdem die Weiterführung der ‹Krone› auf bestem Wege schien.» Die Gründe sieht Ziegler jedoch tiefer: «Das Restaurantsterben ist sozusagen mit dem Lädelisterben vergleichbar. Nämlich als Folge eines eingetretenen Kulturwandels und veränderten Konsumverhaltens.» Man mag die Entwicklung bedauern, sich mit Wehmut an die Blütezeit der «Krone» in den Siebziger- und Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts erinnern, doch aufhalten lässt sich der gesellschaftliche Wandel kaum.

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

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