Turmspatz

Lieber kein Kopfgeld Anruf im Spatzennest: Ein Leser will den Turmspatz kennenlernen. «Abschiessen müsste man den», sagt er noch. Das muss ja schiefgehen. Dieser Schütze schiesst höchstens ein Eigentor. Diese Erfahrung musste sogar König Friedrich der Grosse im 18.

Merken
Drucken
Teilen

Lieber kein Kopfgeld

Anruf im Spatzennest: Ein Leser will den Turmspatz kennenlernen. «Abschiessen müsste man den», sagt er noch. Das muss ja schiefgehen. Dieser Schütze schiesst höchstens ein Eigentor.

Diese Erfahrung musste sogar König Friedrich der Grosse im 18. Jahrhundert machen. Er hatte Kopfgeld auf meine Spatzenvorfahren ausgesetzt, um seine Felder und sein Korn zu schützen. Diese Idee erwies sich ebenfalls als Eigentor: Denn als die Spatzen fast ausgerottet waren, breiteten sich Insekten seuchenartig aus. Nun waren die Felder erst recht in Gefahr, da hätte Friedrich den Spatzen lieber ein paar Körner gegönnt.

Da sieht man mal wieder, was Spatzen so in mühseliger Kleinarbeit leisten. Wir Spatzen, die auf einem alten Turm thronen, gehen mit arbeitsamem Beispiel voran. Denn alte Türme bergen tiefe Verliese und finstere Geheimnisse, und sie bieten ein reiches Betätigungsfeld. Es gilt, wachsam zu sein –, damit am Ende nicht etwa Heuschrecken das Spiel bestimmen.