Turmspatz

Der Brötchenkrieg Es gibt keinen Konflikt, ausser der Reform vielleicht, der Steckborn so stark durchgeschüttelt hat wie der Brötchenkrieg. Früher war man entweder pompös katholisch oder nüchtern reformiert.

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Der Brötchenkrieg

Es gibt keinen Konflikt, ausser der Reform vielleicht, der Steckborn so stark durchgeschüttelt hat wie der Brötchenkrieg. Früher war man entweder pompös katholisch oder nüchtern reformiert. Beim Steckborner Brötchenkrieg dagegen ist nichts klar, da gehen die Fronten quer durch die Familien und durch den Magen. So ist meine Frau Turmspatz, eine begnadete Fensterputzerin und Lüfterin, ganz anderer Meinung als ich, der Liebhaber von knusprigen Brötchen.

Für Nichtsteckborner sei der Konflikt kurz erklärt: Bei uns werden auf einem mobilen Backanhänger im Holzofen wunderbar knusprige Brötchen gebacken. Leider raucht der Ofen so stark, dass die Anwohner mit erheblichen Emissionen zu kämpfen haben. «Du machst jetzt etwas dagegen», verlangt meine Frau, als wir wieder einmal morgens die wunderbaren Brötchen verzehren. «Das ist leichter gesagt, meine Liebe», gebe ich mit vollem Schnabel zurück, «das haben schon andere erfolglos versucht.» Weder der Stadtammann noch der Kaminfeger lösten das Problem, wahrscheinlich wollten sie nicht auf die guten Brötchen verzichten. Ausserdem beruft sich der Schlaumeier von einem Bäcker auf den Mobilitätsstatus seines fahrbaren Ofens, da würden keine Gesetze gelten. «Lieber Spatz», sage ich, um den Hausfrieden zu retten, «ich werde unsere Fenster putzen, wenn der Ofen nicht mehr so raucht.» Unrealistische Versprechungen sind meine Stärke. Leider greift nun der Kanton ein, der Holzofen soll einen Filter bekommen. Alle sind glücklich. Bis auf der Turmspatz. Der wird zum Fensterputzen abkommandiert.

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