Turmhof unter Beschuss

Noch liegt in Steckborn das Baugesuch der Stiftung Turmhof öffentlich auf. Gegen das Projekt formiert sich Widerstand. Die Gegner haben bereits 200 Unterschriften gesammelt.

Barbara Hettich
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Das alte Seewasser-Pumpenhaus soll einem modernen Bistro Platz machen. (Bild: Nano do Carmo)

Das alte Seewasser-Pumpenhaus soll einem modernen Bistro Platz machen. (Bild: Nano do Carmo)

Steckborn. Rund 7 Millionen Franken will die Stiftung Turmhof in ein regionales Kulturzentrum in Steckborn investieren. Das Baugesuch liegt noch bis morgen Mittwoch bei der Stadtverwaltung öffentlich auf (die TZ berichtete). Das Bauprojekt sieht vor, den Turmhof, das Kaufhaus und die Alte Schmitte zu erhalten. Remise und Wasserpumpwerk sollen abgebrochen werden. In die Baulücke wird ein moderner Kubus für Bistro und Veranstaltungssaal eingesetzt.

Altstadt verpfuscht

Das gefällt nicht allen Steckbornern. Der frischgewählte Stadtrat Albert Gräflein schreibt in einem Leserbrief im «Boten»: «Mit Flachdächern, Glasfassaden und einem Seesteg wird das historische Herz unserer Altstadt verpfuscht. Wo sonst Heimatschutz und Denkmalpflege jeden Pinselstrich und jeden Hammerschlag peinlichst unter die Lupe nehmen, sind den zuständigen Instanzen offensichtlich die verschlossenen Augen noch zubetoniert worden.»

Alfred Muggli, Co-Präsident der Turmhofstiftung, schreibt in einer Entgegnung, dass die Geschmäcker nun einmal verschieden seien. Seit zwei Jahren sei das Modell des Bauvorhabens samt Plänen im Foyer des Turmhofs aufgelegen. Man hätte also vorgängig zur Bauauflage sich über das Projekt informieren können. Die Pläne seien zudem vom Amt für Denkmalpflege genehmigt worden, schreibt Muggli.

Den Stadtrat aufwecken

Doch Albert Gräflein ist nicht der einzige, der gegen das Bauprojekt etwas einzuwenden hat. Auf der Homepage www.alt-steck born.ch sind unter der Rubrik «Turmhofstiftung, muss das sein?» die Pläne des Bauvorhabens mit Kommentaren aufgeschaltet. Bei der Ansicht auf das geplante Bistro ist beispielsweise von Bunker-Look die Rede. Die Steckborner werden zudem dazu aufgerufen, sich gegen dieses Bauvorhaben zu wehren. Das tun sie: Seit letztem Donnerstag läuft eine Unterschriftensammlung.

Es seien verschiedene Personen aus den unterschiedlichsten Kreisen am Sammeln, weiss Bürgerpräsident Ernst Füllemann, der im Auftrag dieser losen Gruppierung Auskunft gibt. In dieser «Öffentlichen Eingabe an die Stiftung Turmhof» heisst es unter anderem: «Wir wehren uns gegen das Vorgehen der Stiftung, ein zentrales Quartier unseres Städtchens auf dies Art völlig zu verändern.» Und: «Als die Öffentlichkeit seinerzeit der Eigentumsübertragung an diese Stiftung zustimmte, habe wohl niemand damit gerechnet, dass solche einschneidenden baulichen Veränderungen ohne Zustimmung der Stadt, geschweige denn ihrer Stimmbürger und ohne Orientierungsversammlung auf solch elitäre Art durchgezogen würden.»

Bereits 200 Steckbornerinnen und Steckborner hätten mit Angabe von vollständigem Namen und Adresse unterschrieben, sagt Füllemann. Man wolle damit den Stadtrat aufwecken und Druck machen, dass dieses Baugesuch in dieser Form nie bewilligt werde.

Einsprache einlegen

Ernst Füllemann selbst sammelt keine Unterschriften. Er werde gegen das Baugesuch aber einsprechen, sagt er. Er habe sich mehrmals und frühzeitig die Pläne und das Modell angeschaut. Jeglichen Einwand hätten die Projektverantwortlichen jeweils damit abgetan, dass sowieso noch einmal alles abgeändert und überarbeitet werde.

Jetzt liege aber genau dieses Projekt als Baugesuch öffentlich auf. Er wehre sich gegen den Abbruch des alten Seewasser-Pumpwerks, denn im Hinweis-Inventar der Denkmalpflege sei das Gebäude in seiner Gesamtform als erhaltenswert eingestuft. Bei der Renovation des alten Rathauses – es ist im Besitz der Bürgergemeinde – mussten auf Anweisung der Denkmalpflege selbst die Kupfer-Fenstereinfassungen überstrichen werden. Er könne sich also nicht vorstellen, dass dieselbe Denkmalpflege mit dem Abbruch des alten Seewasser-Pumpwerks einverstanden sei.

Denkmalpfleger Urs Fankhauser war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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