Tschutschu für Grosse

Turmspatz

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«Was machst du da?», fragt meine Frau Turmspatz, als sie von einer ausgedehnten Einkaufsfahrt mit ihren Freundinnen zurückkommt. «Du hattest doch den Auftrag, den Dachboden aufzuräumen.» «Das wollte ich auch, zuerst jedenfalls», sage ich und zeige auf die Kiste vor mir, «da habe ich sie gefunden.» «Und was machst du da?»«Sieht man das nicht?», frage ich meine Shoppingqueen, «ich baue eine Anlage auf.» «Aber doch nicht hier im Wohnzimmer.» Sie stellt zwei volle Taschen auf den Boden. «Achtung!» Ich zeige auf ihre Einkäufe. «Du versperrst die Durchfahrt.» «Ihr Männer nehmt alles viel zu ernst.» Seufzend nimmt sie die Taschen von den Schienen.

Vorsichtig lasse ich die Zugkomposition unter dem Sessel herausfahren und bringe sie im Bahnhof zum Stehen. «Schluss jetzt. Ich möchte in Ruhe auspacken. Spiel woanders weiter.» «Ich spiele nicht.» Wütend flattere ich davon, folge der Bahnlinie, bis nach Etzwilen. Dort machen sich einige Männer im Blaumann an einer Dampflok zu schaffen, schaufeln Kohle und ölen Zahnräder. Als die Passagiere in den angehängten Waggon steigen, setze ich mich aufs Dach der fauchenden Lok und fahre über die Hemishoferbrücke und weiter bis nach Ramsen.

«Sitzen bleiben», ruft einer der Männer den Passagieren zu, «ab heute fährt die Museumsbahn bis nach Singen.» «Volldampf voraus!» Schnaufend setzt sich die Lok in Bewegung. Frauen und Kinder stehen jubelnd an den Fenstern, als der Zug über die Grenze rollt. An der Endstation werden die Lokführer von begeisterten Eisenbahnfans empfangen und umarmt. «Meine Frau Turmspatz sollte das sehen», piepse ich, «Männer spielen nicht, sie leben ihre Träume.»

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