Trotzige Alternative zum Open Air

In der Komturei Tobel findet am Samstag zum fünften Mal das Festival Rock im Knast statt. Die Veranstalter verstehen den Anlass als unkommerziellen, lokal ausgerichteten Gegenentwurf zum Frauenfelder Open Air.

Ives Bruggmann
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Freddy Fässler, Michael Wüthrich, Maurus Felber und Philipp Lerch bilden das Organisationskomitee. (Bild: pd)

Freddy Fässler, Michael Wüthrich, Maurus Felber und Philipp Lerch bilden das Organisationskomitee. (Bild: pd)

TOBEL. Die vier Organisatoren veranstalten sozusagen ein Konzert in ihrem eigenen Zuhause. Sie wohnen nämlich selbst in der Komturei und helfen alle auch mit, die gleichnamige Stiftung vorwärtszubringen. Dort, wo über Jahrhunderte edle Ritter residierten oder eben auch Thurgauer Mundräuber für ihre Verbrechen büssten, wird an diesem Samstag Rockmusik gespielt.

Plattform für regionale Bands

Dass sich der Termin dieses Anlasses mit jenem des Frauenfelder Open Airs überschneidet, ist alles andere als ein Zufall. «Wir wollen eine naiv-trotzige Alternative zum kommerziellen Hip-Hop-Festival sein», sagt Michal Wüthrich, einer der vier Organisatoren. Im Gegensatz zum Open Air will Rock im Knast Künstler aus der Region unterstützen und diesen eine Plattform bieten. Die Idee des kleinen Festivals werde seit Beginn von der lokalen Rock-Kultur getragen, sagt Wüthrich. In diesem Jahr treten The Flamerians, Thedorks, Urbane Praxen und Kool Kut Luke auf. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass ein solcher Event funktioniert.»

Die Musiker forderten nie fixe Gagen, das ersparte dem Anlass eine grosse finanzielle Unsicherheit. Dafür sei jeweils am Ende des Abends die Freude umso grösser gewesen, wenn die Bands dennoch mit einem grossen Batzen überrascht werden konnten. Auch in diesem Jahr sei das Ziel von Rock im Knast nicht der Profit. «Am liebsten haben wir jeweils eine ausgeglichene Rechnung», sagt Wüthrich. Optimal sei es immer dann, wenn sie allen freiwilligen Helfern eine kleine Entschädigung als Wertschätzung übergeben könnten. Bisher seien sie mit dieser Philosophie gut gefahren. «Wir erreichten zwar nie eine Wertschöpfung im wirtschaftlichen Sinne, dafür umso mehr in der Umsetzung unserer Ideale.»

Änderungen ausprobiert

Während der Vorbereitungen zum letzten Rock im Knast beschäftigte sich das OK intensiv mit dem Konsumverhalten, um sich noch klarer als Alternative zum Open Air Frauenfeld zu positionieren. Das Publikum wurde mit verschiedenen Aktionen konfrontiert, zeigte dafür aber wenig Interesse. Auch den Bands wurde vorgängig erklärt, dass sie an diesem Abend volle künstlerische Freiheit hätten und mit ihrer Spielzeit machen könnten, was sie wollen. Alle spielten aber ihr Programm straff ohne Aktionen durch – keineswegs weniger gut, aber mit ungenutztem Freiraum.

Zurück zu den Wurzeln

«Die Ideen, in die wir uns verbissen hatten, wurden also enttäuscht», sagt Wüthrich. «Wir hatten wohl zu viel erwartet.» Darum hat sich das vierköpfige Organisationskomitee wieder etwas bescheidenere Ziele gesetzt. Nicht aus Resignation, sondern aus der Einsicht, dass nichts erzwungen werden kann. Der Anlass wird dennoch weiterhin vom bewährten Idealismus getragen, als Gegenpol zu den profitorientierten Musikanlässen.

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