Trotz Pfarrwahl keine Ruhe

Die Protestanten haben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen unbefristet angestellten Pfarrer. David Lerch wurde aber nur knapp gewählt. Auch in Münchwilen harzt es.

Simon Dudle
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In der Evangelischen Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon kehrt weiterhin keine Ruhe ein. Nachdem 2012 die ganze Kirchbehörde geschlossen zurückgetreten war, gab es seither regelmässig Wechsel bei den Pfarrern. Wobei das vorab auf Münchwilen zutrifft.

Für Eschlikon war die Kirchenvorsteherschaft lange vergebens auf der Suche nach einer definitiven Lösung. Seit April 2014 ist David Lerch für die Gottesdienste zuständig. Fix angestellt werden durfte er anfänglich nicht. Denn der Sekundarlehrer hatte zuvor einige Jahre in einer Freikirche gepredigt. Um für ein Amt der Thurgauer Landeskirche wählbar zu sein, musste er eine Weiterbildung machen. Diese bestand er im Sommer. Darum kann Lerch nun definitiv eingestellt werden.

48 Stimmen sind bereits genug

Seine Wahl erfolgte allerdings alles andere als glorreich. Von den 2570 möglichen Stimmen entfielen nur 48 auf Lerch. Dies genügte, da an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung lediglich 86 Personen zugegen waren und das absolute Mehr bei 41 lag.

Der Wahl vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion, bei der es auch darum ging, ob ein freikirchlicher Pfarrer die richtige Lösung ist. Peter Gunz, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, sagt: «Die Wünsche der Freikirchen sind nicht die gleichen wie jene der Landeskirchen.» Mittlerweile hat Lerch die Wahl angenommen. Seine Arbeit wird von den Kirchbürgern genau beobachtet werden.

Während Eschlikon einen Pfarrer hat, wird für Münchwilen noch gesucht. Fast im Jahrestakt haben sich die Geistlichen zuletzt die Klinke in die Hand gegeben. Unterschiedliche Vorstellungen über den Führungsstil in der Kirchgemeinde stellten wiederholt einen Trennungsgrund dar. Letzte im Reigen war bis im Sommer Esther Baumgartner. Sie war nicht bereit, nach Münchwilen zu zügeln. Dies ist bei einer Festanstellung aber zwingend.

Seither zeichnet Uwe John für die Stellvertretungen verantwortlich. Er hatte zuvor mehrere Jahre in Tägerwilen gepredigt, wollte aber eine Auszeit zur Neuorientierung. Ein mögliches Szenario ist nun, John als Münchwiler Pfarrer anzustellen.

Münchwiler Pfarrwahl verschoben

Anders beurteilt die Pfarrwahlkommission die Situation. Es handelt sich um ein Gremium, bestehend aus zwei Vertretern der Kirchenvorsteherschaft und mehreren Kirchbürgern, welches Wahlvorschläge zuhanden der Kirchenvorsteherschaft ausarbeitet. Präsident Gunz gehört nicht zur Kommission. Diese schlägt Bernd Steinberg – aktuell Pfarrer im bündnerischen Trin-Mulin – vor. Auch Steinberg ist interessiert und hat sich am Donnerstagabend der Kirchenvorsteherschaft vorgestellt. Diese kommt nun zum Schluss, sich noch nicht festlegen zu wollen. «Das ist kein Misstrauen gegenüber Bernd Steinberg. Ein einzelner Eindruck genügt uns aber nicht», sagt Gunz.

Die auf den 26. Oktober angesetzte Pfarrwahl samt Kirchgemeindeversammlung wird verschoben. Gunz hofft, dass sie noch dieses Jahr stattfindet.