Trotz Ankündigung gab's kein Jod

FRAUENFELD. Frauenfelder fragen sich, warum sie im Dezember keine Jodtabletten erhalten haben. Denn ein Flyer hatte dies im Herbst angekündigt. Das Flugblatt sei irrtümlich verteilt worden, sagt die Geschäftsstelle für Kaliumiodid-Versorgung.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen
Kaliumiodid-Tabletten, wie sie Mitte Dezember verteilt wurden. (Bild: pd)

Kaliumiodid-Tabletten, wie sie Mitte Dezember verteilt wurden. (Bild: pd)

Die Thurgauer Hauptstadt ist ein Grenzfall. Sie liegt exakt am Rand der 50-Kilometer-Zone um Beznau, dem nächstgelegenen Kernkraftwerk (KKW). Alle Bewohner, die innerhalb dieses Radius rund um eines der fünf Schweizer KKW wohnen, sind Mitte Dezember mit Kaliumiodid-Tabletten bedient worden (siehe Kasten).

Im einzelnen regelt eine Verordnung des Bundesrats den Verteilrayon. Die Gemeinden sind darin aufgelistet. Gachnang ist auf der Liste und damit im Rayon der Jod-Empfänger, auch Ellikon an der Thur oder Hagenbuch finden sich darauf, nicht aber Frauenfeld.

Bedauerlicher Lapsus

Dennoch haben weite Teile der Frauenfelder Bevölkerung im Oktober den Flyer mit der Ankündigung der Verteilaktion erhalten – offenbar irrtümlich. «Der Versand des Informationsblattes ist ein bedauerlicher Lapsus», teilte die zuständige Geschäftsstelle für Kaliumiodid-Versorgung in Bern gestern per Communiqué mit. Ob alle Frauenfelder Haushalte den Flyer erhalten haben oder nur Teile der Bevölkerung, konnte Tony Henzen von der Geschäftsstelle gestern nicht sagen. «Wir haben aber mehr und mehr Mails erhalten von Frauenfeldern, die sich wunderten, weil sie keine Tabletten erhalten haben», sagt Henzen. «In Frauenfeld werden die Tabletten wie bisher schon in Depots gelagert und bei Bedarf innert weniger Stunden verteilt.»

Strass ja, Horgenbach nein

Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt Frauenfeld, hat im Gegensatz zur Berner Jod-Geschäftsstelle keine Anfragen aus der Bevölkerung erhalten. Laut Spiri lägen zwar Teile der Stadt innerhalb des Radius, der Grossteil der Bevölkerung wohne aber ausserhalb.

So kommt es, dass die Bevölkerung in Strass (Gemeinde Gachnang) die Tabletten erhalten hat, die direkt benachbarte Bevölkerung von Horgenbach oder Erzenholz (beides Frauenfelder Quartiere) aber nicht. Henzen bestätigt diesen Umstand und sagt: «Irgendwo musste die Grenze gezogen werden.» Werner Spiri ergänzt: «Es hätte keinen Sinn gehabt, die Tabletten nur in Teilen der Stadt abzugeben.»

Die Umweltorganisation Greenpeace wundert sich über die Auslassung von Frauenfeld, weil auch ausserhalb des 50-Kilometer-Kreises Tabletten verteilt worden seien, etwa im Kanton Jura. Das stimme nicht, sagt Tony Henzen von der Jod-Geschäftsstelle.