TRINKWASSER: Kalk draussen – Keime drin

Entkalkungsanlagen können das Leitungswasser mit Mikroorganismen verunreinigen. Tests im Thurgau lassen aufhorchen. In einem Fall wurde der gesetzliche Höchstwert für Keime 600-fach überschritten.

Silvan Meile
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Das kantonale Labor stellte im Wasser von Haushalten mit Entkalkungsanlage bakteriologische Verunreinigungen fest. (Bild: depositphoto/Jurisam)

Das kantonale Labor stellte im Wasser von Haushalten mit Entkalkungsanlage bakteriologische Verunreinigungen fest. (Bild: depositphoto/Jurisam)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Die Qualität des Trinkwassers in Haushalten lässt leer schlucken. Das Laboratorium des Kantons Thurgau hat das Leitungswasser in 23 zufällig ausgewählten Privathäusern und Schulen mit einer Enthärtungsanlage zur Entkalkung des Wassers untersucht. Dabei stellten die Labormitarbeiter fest, dass die Anlagen die Wasserhärte zwar sehr effizient reduzierten, danach aber das Wasser mit deutlich mehr Bakterien angereichert ist. Das Trinkwasser wurde vor und nach dem Enthärten auf seine bakteriologische Reinheit und chemische Zusammensetzung hin untersucht, schreibt das kantonale Labor in einem Bericht.

Die Anlage geht im Keller vergessen

«Es ist bedenklich, wie das angelieferte gute Trinkwasser in den Enthärtungsanlagen durch Mikroorganismen verunreinigt werden kann», sagt Kantonschemiker Christoph Spinner. «In 85 Prozent der Analysen stieg die Zahl der nachweisbaren Mikroorganismen im Trinkwasser um mindestens das Doppelte an», heisst es im Bericht. In jeder vierten Untersuchung sei sogar der gesetzlich festgelegte Höchstwert für Keime im Trinkwasser überschritten worden. Im extremsten Fall gar um das 600-Fache. Besonders bedenklich sei das Resultat, da eine erhöhte Keimzahl nicht nur mit einer ­geschmacklichen Beeinträchtigung, sondern auch einer gesundheitlichen Gefährdung einher gehen könne.

«Nicht ganz unerwartet», sagt Spinner, seien für ihn die Resultate: «Jeder Eingriff in die Trinkwasser-Zufuhr ist ein Risiko.» Seit den 1970er-Jahren werden Wasserenthärter in Haushalten eingesetzt. Nicht selten stünden sie unbeachtet im Keller. Die jährliche Wartung und Reinigung kann dadurch vergessen gehen. Der Kantonschemiker appelliert deshalb daran, dass beim Einbau einer Anlage zur Enthärtung des Wassers auch an die jährliche Wartung gedacht wird. Verkeimungsprobleme könnten ausserdem verhindert werden, indem die Geräte an einem kühlen Ort platziert und mit einer Desinfektionsvorrichtung ausgestattet werden.

Doch die Laboruntersuchungen zeigen noch ein weiteres Problem: «Das Wasser wird in vielen Geräten zu stark enthärtet», sagt Spinner. Das enthärtete Wasser läge in 90 Prozent der Fälle unter dem Wert, mit dem eine übermässige Verkalkung von Armaturen und Geräten vermieden wird. Dass zahlreiche Anlagen auf eine niedrigere Resthärte eingestellt sind, berge Nachteile: Eine geschmackliche Beeinträchtigung des Trinkwassers oder die Gefahr, dass verzinkte Wasserleitungen rosten.

Negative Auswirkung auf das Wasser als Nahrungsmittel

«Die Gesamthärte im Wasser setzt sich zusammen aus den darin enthaltenen Calcium- und Magnesium-Ionen», schreibt das kantonale Labor. Enthärter würden nichts anderes machen, als Kalzium und Magnesium durch Natrium zu ersetzen. So kann die Ablagerung von Kalk verhindert werden. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Entkalkungsanlagen zwar lästige Putzarbeiten wegen Kalkablagerungen reduzieren, sie beeinflussen aber «die Qualität des Trinkwassers als Nahrungsmittel tendenziell negativ». Kalzium werde nämlich vom Körper für den Knochenaufbau benötigt. Natrium hingegen erhöhe in grösseren Mengen den Blutdruck.