«Trifft den Lebensnerv der Fähre»

ROMANSHORN. Die Nachricht von der möglichen Schliessung der Zollstelle in Romanshorn trifft den Kanton völlig überraschend. Und auf dem falschen Fuss. Die Pläne stellen den Ausbau des Fährbetriebes in Frage.

Markus Schoch
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Lastwagen sollen in Romanshorn künftig nicht mehr vom Zoll abgefertigt werden. (Archivbild: Chris Mansfield)

Lastwagen sollen in Romanshorn künftig nicht mehr vom Zoll abgefertigt werden. (Archivbild: Chris Mansfield)

«Wir werden uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die vorgeschlagene Schliessung der Zollstelle in Romanshorn wehren», sagt Werner Müller, der Chef der Abteilung öffentlicher Verkehr/Tourismus beim Kanton Thurgau. Wenn in Romanshorn keine Lastwagen mehr abgefertigt werden könnten, müssten sich die Chauffeure eine andere Route suchen, was weder ökologisch noch volkswirtschaftlich Sinn mache. Zumal die als Ausweichtore vorgesehenen Übergänge in Kreuzlingen und St. Margrethen heute schon überlastet seien.

1 Million weniger Einnahmen

Der Einnahmenausfall bei der Fähre würde sich auf etwa 1 Million Franken pro Jahr belaufen, was den Betrieb gemäss Müller «im Lebensnerv» träfe. Im letzten Jahr setzten 8200 Lastwagen über, eine einfache Fahrt eines Hängers kostet 120 Franken. Zum Vergleich: Die Fähre transportierte in der gleichen Zeit rund 60 000 Autos, gegen 48 000 Fahr- und Motorräder sowie 500 Busse.

Sollten die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, müsste der Fahrplan ausgedünnt werden, sagt Müller. «Der Bodensee würde zu einer Barriere.» Und dabei würden im Moment Bestrebungen laufen, neue Brücken zu bauen mit attraktiveren Verbindungen. Ab Dezember 2018 sollen die Fähren zwischen Romanshorn und Friedrichshafen im Halbstundentakt verkehren, also doppelt so oft wie heute. Damit würden nicht zuletzt auch mehr Lastwagen das Angebot nutzen, weil die Wartezeiten kürzer seien, ist Müller sicher. Erwartet werden ein Plus von 50 Prozent beziehungsweise rund 5000 zusätzliche Schwerverkehr-Transporte pro Jahr auf der Fähre.

Abklärungen laufen weiter

Die neue Situation habe keinen unmittelbaren Einfluss auf die Abklärungen mit Blick auf die Einführung des Halbstundentakts, sagt Müller. «Wir machen weiter.» Im Moment seien die Schweizerische Bodensee Schifffahrt und die deutschen Bodensee Schiffsbetriebe als Betreiber der Fährverbindung daran, die Wirtschaftlichkeit einer Fahrplanverdichtung zu prüfen. Vorgesehen ist, drei neue batteriebetriebene Fähren zum Preis von insgesamt 50 Millionen Franken anzuschaffen. Wenn sie tatsächlich wie vorgesehen bereits in gut drei Jahren auf dem Bodensee verkehren sollen, müsste der Grundsatzentscheid zur Vorwärtsstrategie bis im zweiten Quartal 2016 getroffen werden, sagt Müller. Entsprechende Richtofferten von Werften würden bereits vorliegen.

Auch bei der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt ist man nicht erfreut über die Pläne der eidgenössischen Zollverwaltung. «Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um sie zu verhindern», sagt Geschäftsführerin Andrea Ruf. «Wenn es nicht gelingen sollte, wäre der Ausbau des Fahrplans in Frage gestellt.»

Werner Müller Leiter Abteilung öffentlicher Verkehr/Tourismus (Archivbild: Nana do Carmo)

Werner Müller Leiter Abteilung öffentlicher Verkehr/Tourismus (Archivbild: Nana do Carmo)

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