Traum vom Präsidium geplatzt

Edith Graf-Litscher rückt 2019 nicht zur Präsidentin des Nationalrates auf. Die SP-Fraktion entschied sich gestern für die Tessiner Parlamentarierin Marina Carobbio.

Christian Kamm
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Edith Graf-Litscher SP-Nationalrätin (Bild: N. do Carmo)

Edith Graf-Litscher SP-Nationalrätin (Bild: N. do Carmo)

«Marina Carobbio scelta candidata del PS per vice-presidenza Consiglio nazionale. Viva il Ticino! Viva i socialisti!», twitterte SP-Nationalrat Carlo Sommaruga gestern Abend als erster. Damit war klar, dass sich die Tessinerin Carobbio SP-intern gegen ihre beiden Mitbewerberinnen für das Amt der höchsten Schweizerin 2019 durchgesetzt hatte. Die Entscheidung fiel im zweiten Wahlgang. Die Zürcher Nationalrätin Chantal Galladé und auch Edith Graf-Litscher aus dem Thurgau hatten das Nachsehen. Damit steht praktisch fest, dass die künftige zweite Vizepräsidentin Marina Carobbio 2019 turnusgemäss auf dem Präsidentenstuhl Platz nehmen wird.

Nur eine kann gewählt werden

«Die Enttäuschung ist natürlich da», sagte Graf-Litscher gestern auf Anfrage. Aber es sei nun einmal so, dass bei drei gleichwertigen Kandidatinnen nur eine gewählt werden könne. «Und das respektiere ich.» Darüber hinaus hätten Minderheiten in der SP einen hohen Stellenwert, analysiert Graf-Litscher. Neben einem Minderheiten-Bonus könnte auch eine Art Trost-Bonus eine Rolle gespielt haben. Carobbio war bei der Bundesratsnomination leer ausgegangen. Und die Thurgauer Hausmacht in der SP? Hat der Kanton überhaupt eine, zumal Edith Graf für die hiesige SP in Bern als Einzelkämpferin agiert? Natürlich hätten es Kandidaten aus grösseren Kantonen leichter, sagt Graf-Litscher. Zudem verweist sie darauf, dass 2019 ein eidgenössisches Wahljahr ist. «Die Fraktion hat nun entschieden, dass jemand aus dem Tessin die Wahllokomotive für die SP spielen soll.»